PayPal-Aktien schlossen am Freitag bei 49,35 Euro, ein Plus von 0,23 Prozent. Ruhig wirkt das nur auf den ersten Blick. Am Dienstag legt der Zahlungsdienstleister Quartalszahlen vor, die weit mehr klären als das übliche Geschäft eines Quartals: Sie könnten darüber entscheiden, ob der Vorstand mit seiner Ablehnung eines milliardenschweren Übernahmeangebots richtig lag.
Der Vorstand hatte am 21. Juli ein gemeinsames Gebot von Stripe und Advent International über 53 Milliarden Dollar zurückgewiesen. Die gebotenen 60,50 Dollar je Aktie reichten dem Management nicht. Es hält stattdessen an einer Zielmarke von rund 70 Dollar fest.
Quartalszahlen mit Sprengkraft
Der Ergebnisbericht für das zweite Quartal ist für den 28. Juli angesetzt, vor Handelsbeginn in den USA. Analysten erwarten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 1,28 Dollar bei einem Umsatz von 8,48 Milliarden Dollar. Das wäre ein Rückgang von 8,6 Prozent gegenüber den 1,40 Dollar aus dem Vorjahresquartal.
Der Optionsmarkt rechnet mit heftigen Ausschlägen. Trader preisen eine Kursbewegung von 8,8 Prozent nach den Zahlen ein — deutlich mehr als der durchschnittliche Rückgang von 4,6 Prozent, den PayPal in den vergangenen zwölf Quartalen nach Zahlenvorlagen verzeichnete. Diese Unsicherheit spiegelt den laufenden Umbau unter dem neuen CEO Enrique Lores wider.
Auch die operativen Kennzahlen stehen im Blick. Das Zahlungsvolumen soll auf 474,52 Milliarden Dollar steigen, ein Plus von 7 Prozent. Die Transaktionsmarge dürfte dagegen sinken — das Management hatte bereits vor sinkenden Zinserträgen und härterem Wettbewerb gewarnt. Die Zahl aktiver Konten soll leicht von 438 auf 440 Millionen zulegen.
Warum die Zahlen den Übernahmepreis bewegen
Der Vorstand begründet seine Ablehnung mit der jüngsten Geschäftsdynamik. Im ersten Quartal verdiente PayPal 1,34 Dollar je Aktie. Venmo steigerte sein Zahlungsvolumen um 14 Prozent zum Vorjahr — das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum.
Schwache Zahlen könnten dieses Argument entkräften. Am 22. Juli schloss die Aktie in den USA bei 55,51 Dollar, rund 8 Prozent unter dem Angebot von 60,50 Dollar und etwa 21 Prozent unter der Zielmarke des Vorstands von 70 Dollar. Kurzfristig ist die Aktie damit kein reines Fundamentalinvestment mehr, sondern ein Übernahmekandidat mit Terminplan.
Enttäuschen die Zahlen, schrumpft der Abstand zum Gebot der Konsortium-Partner — und Stripe sowie Advent International könnten argumentieren, ihr ursprünglicher Preis sei fair gewesen. Übertrifft PayPal dagegen die Erwartungen beim margenstarken Branded-Checkout-Geschäft, würde das die Haltung des Vorstands stützen und den Preis in Richtung der 70-Dollar-Marke von Cantor Fitzgerald schieben.
Analysten uneins über den fairen Wert
Die Übernahmespekulation hat die Einschätzungen an der Wall Street bereits durcheinandergewirbelt. Truist-Analyst Matthew Coad stufte die Aktie auf „Hold“ hoch und erhöhte sein Kursziel auf 57 Dollar. Nach seiner Einschätzung ist das Interesse von Stripe echt, ein Zusammenschluss würde spürbare operative Synergien schaffen. Die prominenten Bieter setzen laut Coad zudem eine Preisuntergrenze für die Aktie. Er warnt aber auch: Der Umbau unter CEO Lores bleibt schwierig, ein Scheitern der Übernahme könnte den Kurs belasten.
Andere Häuser bewerten die Lage unterschiedlich:
- Cantor Fitzgerald bleibt bei „Neutral“ mit Kursziel 54 Dollar — mangels unabhängiger Bestätigung der Übernahmedetails.
- Canaccord hebt sein Kursziel auf 55 Dollar an.
- Clear Street startet die Coverage mit „Hold“ und Kursziel 61 Dollar, verweist auf verborgene Werte in der komplexen Unternehmensstruktur.
- Macquarie bestätigt „Neutral“ mit Kursziel 50 Dollar und verweist auf mögliche Finanzierungsvorteile der diskutierten Konsortialstruktur.
Der Konsens bleibt vorsichtig: Laut Barchart liegt die durchschnittliche Einstufung bei „Hold“, das mittlere Kursziel bei etwa 50 Dollar — mehr als 10 Prozent unter dem aktuellen US-Kursniveau.
Der Blick auf die Handelsdaten zeigt die Nervosität zusätzlich: Der RSI von 76,3 signalisiert eine überkaufte Aktie, die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei annualisiert 55 Prozent. Beides deutet auf einen Markt hin, der sich auf große Ausschläge einstellt.
Der Ergebnisbericht landet nur Stunden nach Handelsschluss am Montag, mitten im ungelösten Ringen zwischen PayPal und dem Stripe-Advent-Konsortium. Stärkt der Dienstag-Report die Position des Vorstands nahe der 70-Dollar-Marke, oder verschafft er dem Konsortium neue Argumente für sein ursprüngliches Gebot? Diese Frage dürfte in den kommenden Tagen der wichtigste Kurstreiber für die Aktie sein.
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