Die PayPal-Aktie sackte im vorbörslichen Handel um über 12 Prozent auf 45,92 US-Dollar ab. Der Grund: Das Umsatzwachstum im vierten Quartal 2025 blieb hinter den Erwartungen zurück. Doch das ist nur die halbe Geschichte – denn zeitgleich vollzieht der Zahlungsdienstleister einen drastischen Führungswechsel.

Der Verwaltungsrat hat Enrique Lores mit Wirkung zum 1. März 2026 zum neuen CEO ernannt. Lores, seit knapp fünf Jahren im Board und seit Juli 2024 dessen Vorsitzender, löst Alex Chriss ab. Bis dahin übernimmt Finanzvorständin Jamie Miller als Interims-CEO. David W. Dorman wird sofort neuer unabhängiger Verwaltungsratsvorsitzender.

Tempo und Ausführung enttäuschten den Aufsichtsrat

Was steckt hinter diesem plötzlichen Wechsel an der Spitze? Der Verwaltungsrat hat eine detaillierte Bewertung der Position des Unternehmens gegenüber Wettbewerbern und der Branche vorgenommen. Das Ergebnis: Zwar wurden in den vergangenen zwei Jahren Fortschritte erzielt, doch Tempo und Ausführung entsprachen nicht den Erwartungen des Boards.

Lores bringt über drei Jahrzehnte Technologie- und Geschäftserfahrung mit. Mehr als sechs Jahre führte er HP Inc. als CEO und trieb dort die strategische Neuausrichtung voran – weg von traditionellen PCs und Druckern hin zu Services, Abonnements und KI-gestützten Lösungen. „Die Zahlungsbranche verändert sich schneller als je zuvor“, so Lores. „PayPal steht im Zentrum dieses Wandels.“

Ergebnisse über Erwartungen, Umsatz darunter

Dabei fielen die Quartalsergebnisse durchaus zwiespältig aus. Der Gewinn je Aktie sprang im vierten Quartal auf 1,53 US-Dollar – deutlich über den Analystenschätzungen von 1,29 US-Dollar und dem Vorjahreswert von 1,11 US-Dollar. Der Umsatz kletterte von 8,33 Milliarden auf 8,7 Milliarden US-Dollar. Experten hatten allerdings 8,79 Milliarden erwartet.

Im Gesamtjahr 2025 verdiente PayPal 5,41 US-Dollar je Aktie nach 3,99 US-Dollar im Vorjahr – auch hier über den Erwartungen von 5,36 US-Dollar. Der Jahresumsatz erreichte 33,2 Milliarden US-Dollar, knapp unter den prognostizierten 33,27 Milliarden.

Europäische Konkurrenz formiert sich

Gleichzeitig wächst der Druck durch europäische Wettbewerber. Die von europäischen Banken aufgebaute PayPal-Alternative Wero hat vier neue Partner gewonnen: Bancomat aus Italien, Bizum aus Spanien sowie zwei weitere Zahlungsdienstleister. Die Allianz deckt damit 72 Prozent der EU-Bevölkerung ab. Bis 2027 will Wero grenzüberschreitende Zahlungen in Europa ohne Visa und Mastercard ermöglichen.

Der Verwaltungsrat dankte Chriss für seine Beiträge der vergangenen zweieinhalb Jahre, darunter die Monetarisierung von Venmo und das Wachstum im Buy-Now-Pay-Later-Geschäft. Chriss selbst zeigte sich überzeugt: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Übergang zu einem erfahrenen Führungskopf.“

Kann Lores das Ruder herumreißen und PayPal wieder auf Wachstumskurs bringen? Die Börse jedenfalls zeigt sich zunächst skeptisch.