Vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 27. Oktober überwiegt an den US-Börsen die Skepsis gegenüber PayPal. Zwar konnte sich die Aktie nach einer langen Schwächephase stabilisieren, doch die Erwartungen an neue Kurstreiber bleiben gedämpft. Analysten blicken vor allem auf das verlangsamte Wachstum im Kerngeschäft und anhaltende Margenrisiken.

Verhaltener Ausblick für das Kerngeschäft

Im Mittelpunkt der Marktskepsis steht die Dynamik beim klassischen Checkout-Verfahren des Bezahldienstes. Das Transaktionswachstum der hauseigenen Bezahlmarke lag zuletzt nur noch bei ein bis zwei Prozent.

Zudem verzögern hohe Reinvestitionen in Plattform und Infrastruktur eine spürbare Margenverbesserung. Analysten von Citi verharren auf einer neutralen Haltung und verweisen neben Ausführungsrisiken durch steigende Betriebskosten auf eine verhaltene europäische Nachfrage.

Deutlich pessimistischer positioniert sich die Bank of America, die das Papier mit „Sell“ einstuft. Als Belastungsfaktoren gelten dort Preisanpassungen bei der Abwicklungstochter Braintree und der intensive Wettbewerb durch den Rivalen Adyen.

Wachstumsinitiativen und Sparprogramm

Um dem Margendruck zu begegnen, setzt der Konzern auf Kostendisziplin und neue Partnerschaften. Ein Sparprogramm über 1,5 Milliarden US-Dollar soll die operative Effizienz erhöhen. Gleichzeitig forciert PayPal neue Angebote für den automatisierten, KI-gestützten Handel im US-Markt und baut das Kreditgeschäft aus, unter anderem über Kooperationen mit Amazon in Deutschland und Österreich.

Das Kredit- und Plattformgeschäft entwickelte sich in den vergangenen Monaten stabil. Für das erste Halbjahr wies der Zahlungsdienstleister einen Umsatz von 17 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden US-Dollar aus.

Geringe Bewertung stützt das Kursniveau

Trotz der verhaltenen Wachstumsaussichten verweisen Marktbeobachter auf das historisch niedrige Bewertungsniveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt um mehr als 60 Prozent unter den Multiplikatoren der Konkurrenten Visa und Mastercard. Bezogen auf die Konsensschätzung für das Folgejahr, die von einem Gewinn je Aktie von 5,77 US-Dollar ausgeht, wird das Papier unter dem Zehnfachen des erwarteten Ertrags gehandelt.

Am Freitag beendete die Aktie den Handel bei 50,45 Euro. Damit notiert der Wert rund 29 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, liegt jedoch 56 Prozent über dem Tiefststand des vergangenen Jahres. Ob diese Kurserholung Bestand hat, hängt maßgeblich davon ab, ob der Zwischenbericht Ende Oktober eine Stabilisierung der Margen belegt.