Schwache Prognosen, schwindende Margen und ein Aktienkurs im Dauertief — bei PayPal klaffen operative Realität und neues Investoreninteresse weit auseinander. Während die Wall Street den Zahlungsdienstleister mehrheitlich abstraft, setzt ein prominenter Contrarian-Investor auf eine massive Fehlbepreisung. Am 5. Mai muss das neue Management beweisen, ob dieser plötzliche Optimismus gerechtfertigt ist.

Prominenter Einstieg treibt den Kurs

Michael Burry sorgt für Bewegung. Der bekannte Investor eröffnete laut seinem Newsletter eine Position bei 49 US-Dollar je Aktie. PayPal macht nun 3,5 Prozent seines Portfolios aus. Seine These stützt sich auf ein rein technisches Argument. Der jüngste Abverkauf bei Software-Werten sei durch Stress im privaten Kreditmarkt verstärkt worden. PayPal finanziere sich völlig unabhängig davon und sei daher schlichtweg falsch bewertet.

Parallel dazu heizen Pflichtmitteilungen der Investmentbank SG Americas Gerüchte über einen möglichen aktivistischen Investor an. Das schlägt sich im Kurs nieder. Auf Monatssicht legte die Aktie spürbar zu und notiert aktuell bei 42,29 Euro. Damit hat das Papier seine 50-Tage-Linie von 39,30 Euro wieder überschritten.

Operative Baustellen bleiben bestehen

Abseits der Spekulationen bleibt das fundamentale Bild angespannt. Auf Jahressicht steht bei der PayPal-Aktie ein Minus von gut 25 Prozent. Das liegt vor allem an der schwachen Entwicklung im margenstarken Online-Checkout. Hier verliert das Unternehmen an Dynamik. Das Management plant gezielte Investitionen, um gegenzusteuern, rechnet aber kurzfristig mit stagnierenden oder leicht sinkenden Transaktionsmargen.

Um Aktionäre in dieser Übergangsphase bei Laune zu halten, schüttet der Konzern erstmals eine Quartalsdividende aus. Hinzu kommt ein geplantes, milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm für das laufende Jahr.

Wall Street bleibt auf Distanz

Die Analystengemeinde reagiert verhalten auf die jüngsten Entwicklungen. Aktuell raten 62 Prozent der Experten zum Halten der Papiere. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen sie im Konsens mit einem stagnierenden Gewinn je Aktie.

Am 5. Mai legt PayPal vor Börseneröffnung die Quartalszahlen vor. Dann muss der neue CEO konkrete Fortschritte bei der Stabilisierung des Checkout-Geschäfts präsentieren. Verfehlt das Unternehmen die Erwartungen beim Umsatz von gut acht Milliarden US-Dollar, dürfte der technische Optimismus der Neueinsteiger schnell wieder verfliegen.