Stripe und der Finanzinvestor Advent International haben eine Offerte von 60,50 US-Dollar pro Aktie für PayPal vorgelegt, was einem Gesamtwert von etwa 53 Milliarden US-Dollar entspricht. Dieser Vorstoß markiert einen Wendepunkt in der Branche, da erstmals ein privates Fintech-Unternehmen versucht, einen etablierten, börsennotierten Giganten zu schlucken. Mit einem Plus von 21,87 % innerhalb der letzten sieben Tage reagierten die Anleger bereits euphorisch auf die Berichte.
PayPal-Vorstand hält Angebot für unzureichend
Trotz eines Aufschlags von rund 28 % auf den vorangegangenen Aktienkurs zeigt sich die Führungsebene von PayPal zögerlich. Medienberichten zufolge bewertet der Vorstand das Unternehmen deutlich höher. Interne Berechnungen auf Basis von Discounted-Cash-Flow-Modellen (DCF) sollen ergeben haben, dass der faire Wert der Aktie das aktuelle Gebot um 15 % bis 20 % übersteigt. Auch prominente Investoren wie Michael Burry äußerten sich skeptisch und taxierten den inneren Wert von PayPal sogar auf 110 bis 115 US-Dollar.
Die Finanzierung des Gebots scheint hingegen gesichert. JPMorgan und Morgan Stanley haben bereits Finanzierungszusagen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar erteilt. Stripe und Advent planen, jeweils 50 % der Anteile zu übernehmen. Um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen, steht zudem der Verkauf der Tochtergesellschaft Braintree an Advent im Raum. Das aktuelle Marktumfeld spiegelt den Optimismus wider: Das Papier notiert derzeit 27,84 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 38,69 €.
Strategischer Druck durch Fastlane und Wettbewerb
Parallel zu den Übernahmeverhandlungen verschärft PayPal den Wettbewerb im Bereich der Checkout-Lösungen. Berichten zufolge drängt das Unternehmen Händler auf Plattformen wie Shopify und WooCommerce dazu, die neue Funktion „Fastlane“ bevorzugt zu platzieren. Um Konkurrenten wie Apple Pay, Google Pay oder Stripe Link zu verdrängen, bietet PayPal den Händlern Gebührennachlässe von 8 bis 15 Basispunkten an. Händlern, die diese Exklusivität ablehnen, drohen laut Branchenberichten höhere Gebühren bei künftigen Vertragsverlängerungen.
Dieser aggressive Kurs unterstreicht die Bemühungen, den Marktwert nach einem massiven Kursverfall in den vergangenen Jahren wieder zu stabilisieren. Die Aktie hat sich zwar deutlich von ihrem 52-Wochen-Tief bei 32,42 € erholt, liegt aber weiterhin weit unter ihren historischen Höchstständen. Experten sehen in einem potenziellen Zusammenschluss mit Stripe zudem große Chancen für den hauseigenen Stablecoin PYUSD, der durch das Netzwerk von Stripe Zugang zu über fünf Millionen weiteren Händlern erhalten könnte.
Weichenstellung bei den kommenden Quartalszahlen
Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich nun auf den 28. Juli 2026, wenn PayPal seine Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegen wird. Es wird erwartet, dass sich der Vorstand zu diesem Termin offiziell zur Übernahmeofferte äußert. Unterstützt wird die Führungsebene dabei von Beratern der Häuser Goldman Sachs und Evercore.
Im ersten Quartal 2026 konnte PayPal mit einem Gewinn pro Aktie (EPS) von 1,34 US-Dollar und einem Umsatz von 8,35 Milliarden US-Dollar die Erwartungen der Analysten übertreffen. Dennoch blieb der Ausblick vorsichtig, während das Management unter dem neuen CEO Enrique Lores, der zuvor für HP tätig war, Kosteneinsparungen von mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar anstrebt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob PayPal seine Eigenständigkeit bewahren kann oder ob der Druck der Bieter und die regulatorischen Hürden, wie die PSD3-Richtlinien, eine Konsolidierung erzwingen.
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