PayPal erweitert mit LianLian Global die Möglichkeiten für internationale Auszahlungen. Die am Freitag bekannt gewordene Partnerschaft erschließt Auszahlungswege für Kunden aus dem Onlinehandel und der Plattformwirtschaft. Gleichzeitig arbeitet PayPal an schnelleren Entscheidungen und einer schlankeren Organisation. Für Anleger stehen damit Geschäftsausbau und operativer Umbau nebeneinander – während Analysten vor Wettbewerbsdruck warnen.
Neue Auszahlungswege für Plattformkunden
Die Kooperation ermöglicht Kunden von LianLian Global, Geld an PayPal-Konten weltweit und an Venmo-Konten in den USA auszuzahlen. Sie richtet sich an Unternehmen aus dem Social Commerce, an Marktplätze und an weitere Kunden aus dem elektronischen Handel.
Zu den vorgesehenen Empfängern gehören Inhalteanbieter, Influencer, Entwickler und Auftragnehmer. Im Mittelpunkt steht damit nicht der Bezahlvorgang beim Einkauf, sondern die Auszahlung an Personen, die für Plattformen oder Händler Leistungen erbringen.
Die geografische Abgrenzung ist dabei wichtig: Während die Partnerschaft PayPal-Konten weltweit einbezieht, beschränkt sich der Zugang zu Venmo-Konten auf die USA. Die Vereinbarung erweitert somit die Auszahlungsoptionen der LianLian-Kunden, ohne für beide Dienste denselben Geltungsbereich vorzusehen.
Einen anderen Ansatz verfolgt die angekündigte Integration mit Glance. Sie verbindet KI-gestütztes Einkaufen mit einem direkt eingebundenen PayPal-Bezahlvorgang für Glance-Nutzer in den USA. Beide Kooperationen setzen an unterschiedlichen Stellen an: bei Auszahlungen einerseits und beim Einkauf andererseits.
Schnellere Entscheidungen, kritische Analysten
Parallel zum Ausbau der Partnerschaften will CEO Enrique Lores den Konzernumbau vorantreiben. Medienberichten zufolge forderte er am 20. Oktober schnellere Entscheidungen, klarere Verantwortlichkeiten und weniger Führungsebenen. PayPal hat zudem mit dem Stellenabbau begonnen.
Der organisatorische Umbau trifft auf kritische Einschätzungen zum Geschäft. Cleveland Research stufte PayPal am 19. Oktober von „Neutral“ auf „Underperform“ ab. Branchenabfragen deuteten demnach darauf hin, dass die Geschäftstrends die Erwartungen wahrscheinlich verfehlten. Als Belastungen nannte das Analysehaus Marktanteilsverluste und makroökonomischen Druck.
Die Partnerschaften stehen damit neben einer grundsätzlicheren Frage: Wie lässt sich zusätzliche Nutzung gewinnen, ohne bestehende Kundenbeziehungen durch veränderte Konditionen zu belasten?
BofA Securities nahm die Bewertung am 15. Oktober mit einer Verkaufsempfehlung auf. Das Haus warnte vor Folgen eines Abbaus der bisherigen Preissubventionierung bei Braintree. Dies könnte die Nutzung des markengebundenen PayPal-Bezahlangebots schwächen und große Händler zu günstigeren Wettbewerbern treiben.
Die LianLian-Kooperation erweitert konkrete Nutzungsmöglichkeiten. Den von Analysten beschriebenen Risiken bei Wettbewerb und Preisgestaltung begegnet sie jedoch nicht unmittelbar. Für PayPal bleiben Geschäftsausbau und die Stabilisierung des bestehenden Angebots deshalb getrennte Aufgaben.
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