Rekordumsatz, Gewinnsprung von 76 Prozent – und trotzdem verkaufen Anleger die Aktie. Bei PFISTERER klafft die operative Realität gerade weit auseinander von dem, was der Kurs zeigt. Am Freitag gab es zumindest ein leichtes Aufatmen: Die Aktie legte um 2,0 Prozent zu und schloss bei 73,20 Euro.
Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein Minus von 10 Prozent stehen. Der Spezialist für Energieinfrastruktur aus Winterbach hat also eine turbulente Phase hinter sich – ausgelöst von Zahlen, die auf den ersten Blick nach Feierlaune aussahen.
Rekordzahlen treffen auf Ernüchterung beim Auftragseingang
Am Mittwoch legte PFISTERER die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 vor. Der Konzernumsatz stieg um 20,2 Prozent auf 256,7 Millionen Euro. Das Periodenergebnis kletterte sogar um 75,9 Prozent auf 38,3 Millionen Euro. Auch das zweite Quartal markierte mit 129,8 Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord.
Trotzdem reagierte der Markt zurückhaltend. Der Grund liegt beim Auftragseingang: Im ersten Halbjahr 2026 verbuchte PFISTERER neue Aufträge über 263,0 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 290,2 Millionen Euro – ein Rückgang um rund 9,4 Prozent.
Der Auftragsbestand bleibt mit 340,3 Millionen Euro hoch und sichert Visibilität bis ins Jahr 2027. Trotzdem reichte der Rückgang bei den Neuaufträgen aus, um Gewinnmitnahmen auszulösen. Anleger werteten die Zahlen offenbar als Normalisierung nach einem außergewöhnlich starken Vorjahr – nicht als Wachstumsbremse, aber als Warnsignal.
Ist die Bewertung jetzt günstig?
Nach dem Kursrückgang notiert die Aktie rund 13 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 83,80 Euro. Das deutet charttechnisch auf eine überverkaufte Situation hin. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 39,6 und bestätigt dieses Bild.
Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis sieht die Lage nach Einschätzung von Marktbeobachtern moderat aus. Aktuelle Analysen beziffern das KGV auf etwa 19,4 – bei einem Gewinnwachstum von über 80 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten kein hoher Wert. Hinzu kommt die operative Substanz: Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich im Halbjahr auf 20,4 Prozent, nach 18,5 Prozent im Vorjahr.
Das Management will diese Marge halten. Der Fokus liegt dabei bewusst auf hochwertigen Aufträgen in den Segmenten Hochspannung und Freileitungen, statt auf reinem Volumenwachstum.
Expansion läuft weiter
Operativ bremst PFISTERER trotz der Kursdelle nicht. In Kadaň in Tschechien hat das Unternehmen zusätzliche Flächen gekauft, um die Produktionskapazitäten deutlich auszuweiten. Für die erste Jahreshälfte 2027 plant PFISTERER zudem ein neues HVDC-Qualifizierungszentrum – ein Signal, dass der Konzern langfristig auf den Ausbau der Stromnetze setzt.
Der Freitagsanstieg allein macht noch keine Trendwende. Entscheidend wird sein, ob sich die Aktie im Bereich um 70 Euro stabilisieren kann. Hält dieses Niveau, dürfte die Diskussion um ein moderates KGV bei starkem Gewinnwachstum wieder in den Vordergrund rücken.
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