Pfisterer hat am Mittwoch Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 vorgelegt, die auf den ersten Blick keine Wünsche offenlassen. Der Umsatz kletterte um 20 Prozent auf 256,7 Millionen Euro, das EBITDA legte um 33 Prozent auf 52,4 Millionen Euro zu.
Der Nettogewinn sprang sogar um 76 Prozent auf 38,3 Millionen Euro. Dennoch reagierte der Markt mit einem Kursrutsch um 9 Prozent auf rund 71 Euro. Aktuell notiert die Aktie bei 72,20 Euro, ein leichtes Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 71,95 Euro.
Rekordquartal, aber schwächerer Auftragseingang
Im zweiten Quartal erzielte der Hersteller von Verbindungstechnik für Energienetze einen Umsatzrekord von 129,8 Millionen Euro nach 113,4 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das EBITDA stieg auf 24,7 Millionen Euro, der Quartalsgewinn nahezu verdoppelte sich auf 19,8 Millionen Euro.
Besonders stark entwickelte sich die Region Europa und Afrika mit einem Umsatzplus von 115,8 auf 140,3 Millionen Euro und einem EBITDA-Sprung auf 28,5 Millionen Euro.
Der Wermutstropfen liegt im Auftragseingang: Im ersten Halbjahr summierte er sich auf 263,0 Millionen Euro, nach 290,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen selbst ordnet dies als „erwartete Normalisierung“ ein, nachdem die vorangegangenen Perioden von außergewöhnlich hohen Bestellvolumina geprägt waren.
Die Book-to-Bill-Ratio liegt weiterhin über 1, der Auftragsbestand zum Ende Juni belief sich auf 340,3 Millionen Euro gegenüber 312,5 Millionen Euro im Vorjahr und reicht damit bis ins Jahr 2027.
Genau diese Diskrepanz zwischen operativer Stärke und rückläufigem Neugeschäft dürfte den Kurs belastet haben. Anleger blicken bei einem Wachstumswert wie Pfisterer traditionell stark auf die Zukunftsindikatoren – und ein schrumpfender Auftragseingang wiegt in der Wahrnehmung oft schwerer als starke Vergangenheitszahlen.
Ausblick und strategische Weichenstellungen
Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte Pfisterer die Guidance eines Umsatzwachstums von mindestens 12 Prozent bei einer Book-to-Bill-Ratio über 1. Strategisch treibt das Unternehmen den Ausbau der Hochspannungs-Gleichstromtechnik voran: Das geplante HVDC-Qualifizierungszentrum in Winterbach soll im ersten Halbjahr 2027 den Betrieb aufnehmen und die Position im Zukunftsmarkt für Gleichstromübertragung stärken.
Auf der Hauptversammlung im Juni beschlossen die Aktionäre eine Dividende von 0,85 Euro je Aktie. Insidertransaktionen im Mai zeigten ein gemischtes Bild: Während die Vorstandsmitglieder Johannes Linden und Dr. Konstantin Kurfiss im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung Aktien zeichneten, verkauften mehrere Aufsichtsräte sowie ein Vorstandsmitglied kurz darauf Aktienpakete im Gesamtwert von über 13 Millionen Euro.
Mit Blick auf die charttechnische Lage bleibt der Titel angeschlagen: Der Kurs liegt mittlerweile 37 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 114,60 Euro, das im Mai markiert wurde. Die Halbjahreszahlen belegen operative Substanz, doch der nachlassende Auftragseingang dürfte Anleger vorerst auf Distanz halten, bis sich die Normalisierung als stabiles neues Niveau erweist.
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