Während die Konkurrenz im boomenden Adipositas-Markt aufrüstet, bleibt Pfizer außen vor. Der dänische Rivale Novo Nordisk treibt den Ausbau seiner Marktposition voran – und das mit einer klaren Strategie: Tabletten statt Spritzen sollen neue Patientengruppen erschließen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von 110 Millionen Amerikanern mit Adipositas werden derzeit nur 10 bis 15 Millionen medikamentös behandelt. Novo-Nordisk-CEO Mike Doustdar nannte auf der JPMorgan-Gesundheitskonferenz in San Francisco einen wesentlichen Grund für diese Lücke: die Abneigung vieler Patienten gegen Injektionen. Der Konzern setzt deshalb verstärkt auf orale Präparate und rechnet damit, dass diese bis 2030 mehr als ein Drittel des Marktes ausmachen werden.

Pfizer zahlt Milliarden – aber woanders

Pfizer selbst hat im November 2024 mit der 10-Milliarden-Dollar-Übernahme von Metsera zwar Bewegung gezeigt. Doch das Unternehmen sicherte sich lediglich einen späten Einstieg nach einem harten Bieterwettbewerb mit Novo Nordisk. Die Frage bleibt: Reicht das aus?

Viking Therapeutics-CEO Brian Lian beschrieb auf derselben Konferenz das breite Interesse der Pharmaindustrie am Adipositas-Markt. Analysten schätzen das Marktvolumen bis Ende des Jahrzehnts auf über 150 Milliarden Dollar jährlich. Lian zufolge kreisen mehr Interessenten um potenzielle Deals, als öffentlich sichtbar ist. Die Branche stehe vor der strategischen Frage: frühe Entwicklungskandidaten zu niedrigeren Preisen erwerben oder auf bewährte, teurere Therapien setzen?

Der Wettlauf ist längst eröffnet

Novo Nordisk hat seinen Vorsprung bereits ausgebaut. Der strukturelle Wandel hin zu oralen Adipositas-Therapien könnte das Spielfeld komplett verändern – ähnlich wie einst Viagra den Markt für Erektionsstörungen revolutionierte. Pfizer kennt diese Dynamik bestens, agiert im aktuellen Rennen jedoch eher als Nachzügler.

Die Wachstumstreiber sind klar definiert: erweiterte klinische Anwendungen, breitere Patientenakzeptanz, verbesserte Produktionskapazitäten und eine Pipeline an Therapien der nächsten Generation. Wer hier zu spät kommt, riskiert mehr als nur Marktanteile.