Die Planethic Aktie wagt den Rebound. Nach einem dramatischen Absturz feiert das Papier ein überraschendes Comeback. Anleger reagieren erleichtert auf die Details des neuen Insolvenzverfahrens. Das Management trennt die kriselnde Holding strikt vom operativen Geschäft.

Tochterfirmen arbeiten weiter

Ende Juni meldete die Planethic Group Insolvenz in Eigenverwaltung an. Dieser Schritt betrifft ausschließlich die Holding-Dachgesellschaft. Operative Tochterfirmen wie Veganz oder Mililk arbeiten nach Unternehmensangaben normal weiter. Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt.

Für Lieferanten und Kunden ändert sich nichts. Diese Nachricht beruhigte den Markt. Am gestrigen Handelstag sprang der Kurs an den Regionalbörsen um bis zu zehn Prozent nach oben. Das Papier stabilisierte sich über der Marke von einem Euro.

Totalverlust vorerst abgewendet

Spekulative Käufer greifen aktuell wieder zu. Ein zentraler Grund ist die Wahl des Sanierungsweges. CEO Sascha Voigt verzichtet bewusst auf ein StaRUG-Verfahren. Ein solcher Schritt hätte einen Kapitalschnitt auf Null ermöglicht. Aktionäre hätten einen sofortigen Totalverlust erlitten.

Die nun gewählte Eigenverwaltung zielt stattdessen auf einen Insolvenzplan ab. Der Vorstand lenkt das Unternehmen weiter. Ein gerichtlicher Sachwalter beaufsichtigt die Geschäfte. Die Folge: Für Anteilseigner bleibt die theoretische Chance auf einen Restwert erhalten. Analysten warnen dennoch vor Euphorie. Eigenkapitalgeber stehen in der Insolvenz ganz hinten an.

Anleihegläubiger müssen warten

Parallel zur Holding-Insolvenz sagte das Management eine Gläubigerversammlung ab. Das Treffen zur Unternehmensanleihe war für Juli geplant. Es ging um mögliche Zinsstundungen für das zehn Millionen Euro schwere Papier.

Die veränderte Rechtslage macht die Versammlung hinfällig. Eine sachgerechte Behandlung der Beschlüsse ist laut Unternehmen nicht mehr möglich. Anleiheinhaber müssen nun den weiteren Fortgang des Verfahrens abwarten.

Umsatz bricht dramatisch ein

Trotz der jüngsten Erholung bleibt die langfristige Bilanz verheerend. Vom alten Hoch bei fast 20 Euro ist die Aktie meilenweit entfernt. Nach dem Insolvenzantrag stürzte der Kurs auf ein Rekordtief von 35 Cent ab.

Dieser Preisverfall spiegelt eine fundamentale Krise wider. Das Geschäftsmodell verlor in den vergangenen Jahren massiv an Zugkraft. Das Management will nun die Holding-Kosten an die massiv geschrumpften Einnahmen anpassen.

Ein Blick auf die Ertragszahlen verdeutlicht den Ernst der Lage. Der Umsatz belief sich im Jahr 2021 noch auf rund 30 Millionen Euro. In den darauffolgenden Jahren brachen die Zahlen ein. Der Konzern verbuchte zuletzt lediglich Erlöse von 10,8 Millionen Euro.

Zuletzt setzte sich die Abwärtsspirale rasant fort. Im ersten Halbjahr 2025 fielen die Einnahmen auf magere zwei Millionen Euro. Die Sanierung in Eigenverwaltung fungiert nun als letzter Rettungsanker, um die Kernmarken langfristig wettbewerbsfähig zu halten.