Ein Kursplus von 4,97 Prozent am Dienstag auf 1,93 Euro, ein weiteres von 7,28 Prozent über die vergangene Handelswoche – für viele Anleger klingt das nach einer Erholungsstory. Für mich ist es eher ein verspätetes Signal. Wer sich die Quartalszahlen von Plug Power vom 10. August genau ansieht, erkennt eine Wende, die der Aktienkurs bislang nur zögerlich abbildet.

Die Zahlen sprechen für den Turnaround

178 Millionen Dollar Umsatz im zweiten Quartal 2026, deutlich über der Konsensschätzung von 168,76 Millionen Dollar. Ein Verlust je Aktie von 0,07 Dollar, besser als die erwarteten minus 0,08 Dollar. Für mich ist das mehr als nur ein Beat – es ist ein Muster, das sich durch fast jede Kennzahl zieht.

Die Bruttomarge kletterte auf minus 0,9 Prozent, verglichen mit minus 30,7 Prozent im Vorjahresquartal und minus 13 Prozent im ersten Quartal 2026. Wer die operative Entwicklung eines Unternehmens beurteilen will, sollte genau auf solche Margentrends achten – und dieser Trend zeigt unmissverständlich nach oben.

Auch bei den Kosten hat das Management offenbar durchgegriffen: Die operativen Ausgaben sanken um die Hälfte auf 62 Millionen Dollar, der Nettomittelverbrauch verbesserte sich sequenziell um 58 Prozent auf 61 Millionen Dollar. Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Kern der Geschichte – nicht die Umsatzzahl allein, sondern die Disziplin, mit der Plug Power seine Kostenbasis zurückgefahren hat, während das Geschäft gleichzeitig wächst.

Die operative Basis untermauert das: 1.666 ausgelieferte GenDrive-Einheiten bedeuten ein Plus von 125 Prozent gegenüber den 739 Einheiten im Vorjahr. Das Servicegeschäft wuchs um 82 Prozent auf 29,8 Millionen Dollar. Für mich zeigt gerade dieser Servicebereich, dass Plug Power nicht nur neue Kunden gewinnt, sondern bestehende Installationen zunehmend monetarisiert – ein Zeichen für ein reifer werdendes Geschäftsmodell.

Die Guidance-Anhebung als Vertrauensbeweis

Das Management hob die Umsatzwachstumsprognose für das Gesamtjahr 2026 auf 15 bis 16 Prozent an, nach zuvor 13 bis 15 Prozent. Solche Anhebungen sind selten reine Kosmetik – sie setzen das Management einem Erwartungsdruck aus, den es sich nur leistet, wenn die Auftragslage das trägt.

Bekräftigt wurde zudem das Ziel, im vierten Quartal 2026 ein positives EBITDAS zu erreichen. Das bleibt die entscheidende Marke, an der sich der gesamte Investment Case entscheidet.

Parallel dazu treibt Plug Power sein internationales Elektrolyseur-Geschäft voran. Die finale Investitionsentscheidung für das 30-Megawatt-Projekt Barrow Green Hydrogen für Carlton Power in Großbritannien ist gefallen, weitere 25 Megawatt aus derselben 55-Megawatt-Vergabe sollen noch 2026 folgen. Hinzu kommt die Auswahl für das 275-Megawatt-Projekt Hy2gen Courant in Québec.

Auch das im Juli finalisierte 50-Megawatt-Projekt Hunter Valley Hydrogen Hub mit Orica in Australien, das jährlich rund 4.700 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff produzieren soll, zeigt: Das internationale Projektbuch füllt sich weiter.

Liquidität bleibt der wunde Punkt

Was mich vorsichtig stimmt, ist die Finanzierungsseite. Der Verkauf des Graham-Texas-Projekts an Stream US Data Centers für bis zu 76,5 Millionen Dollar plus rund 14 Millionen Dollar aus freigegebenen Barsicherheiten bringt zusätzliche Liquidität von etwa 90,5 Millionen Dollar.

Der Kaufpreis für das New York Gateway Project wurde auf 142 Millionen Dollar fixiert, mit einer verlängerten Frist bis Ende März 2027. Im Juli und August 2026 flossen bereits rund 47 Millionen Dollar aus dem größeren 275-Millionen-Dollar-Programm zur Vermögensmonetarisierung.

Diese Transaktionen zeigen für mich zweierlei: Plug Power findet Käufer für seine Projekte, was Vertrauen in die zugrunde liegenden Assets signalisiert. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von solchen Verkäufen ein Warnsignal – ein Unternehmen, das sein operatives Geschäft aus eigener Kraft finanzieren könnte, müsste nicht in diesem Umfang Projekte veräußern.

Fazit: Fundamentaldaten überholen die Marktwahrnehmung

Mit einem Abstand von 52,34 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bei 4,04 Euro und einer Marktkapitalisierung von 2,55 Milliarden Euro bleibt die Bewertung weit von früheren Höchstständen entfernt. Der Kurs notiert derzeit unter dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt, was auf einen noch nicht etablierten Aufwärtstrend hindeutet.

Für mich überwiegen dennoch die operativen Argumente: sinkende Verluste, wachsende Margen, ein volles Projektbuch. Ob das reicht, um bis zum vierten Quartal tatsächlich profitabel zu werden, bleibt die entscheidende Frage – die Richtung der Entwicklung spricht derzeit aber für das Management, nicht gegen es.