Der Wasserstoffkonzern Plug Power steckt mitten in einem Umbau, doch der Aktienkurs will davon nichts wissen. Am heutigen Mittwoch verliert das Papier 4,14 Prozent und fällt auf 1,80 Euro. Auf Monatssicht steht ein Minus von 22,05 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch bei 4,04 Euro trennen die Aktie inzwischen 55,39 Prozent. Für mich ist das ein deutliches Signal: Der Markt glaubt der Restrukturierungsgeschichte noch nicht so recht.

Project Quantum Leap: Ambitionierter Plan, offene Beweislast

Ende Juli stellte Plug Power sein Sanierungsprogramm „Project Quantum Leap“ vor. Ziel ist es, den Kapitalverbrauch zu drosseln und das Geschäft stärker auf Rechenzentren als Kundensegment auszurichten. Bis zum vierten Quartal 2026 soll ein positives bereinigtes EBITDA erreicht werden. Das ist ambitioniert, aber genau die richtige Baustelle – Plug Power brennt seit Jahren Kapital ab, und ein Wechsel zu einer zahlungskräftigeren Kundengruppe wie Rechenzentren wirkt strategisch nachvollziehbar. Die Ratingagentur Weiss Ratings sah darin am selben Tag allerdings keinen Anlass zur Beruhigung und stufte die Aktie noch tiefer ab, von „Sell (D-)“ auf „Sell (E+)“.

Parallel dazu treibt das Unternehmen den Verkauf von Vermögenswerten voran. Mitte Juli verkündete Plug Power den Verkauf des Wasserstoffprojekts in Graham, Texas, sowie einen gestaffelten Verkauf des New York Gateway Projects an Stream Data Centers. Zusammen sollen diese Transaktionen kurzfristig rund 80 Millionen Dollar an Liquidität bringen. Anfang Juni kamen bereits 44 Millionen Dollar aus dem Transfer von Investitionssteuergutschriften rund um die St.-Gabriel-Anlage hinzu. Unterm Strich zeigt das: Das Management sammelt Liquidität aus jeder verfügbaren Quelle zusammen. Das ist handwerklich solide, wirkt aber auch wie Kapital, das man dringend braucht.

Auftragslage bleibt intakt – doch reicht das dem Markt?

Auf der operativen Seite kann Plug Power durchaus Erfolge vorweisen. Anfang Juli sicherte sich der Konzern einen Auftrag über einen 50-Megawatt-Elektrolyseur für den Hunter Valley Hub des Kunden Orica, ein Projekt, das inzwischen die finale Investitionsentscheidung erreicht hat und als Australiens größtes Projekt für erneuerbaren Wasserstoff gilt. Ende Juni ging zudem eine 5-Megawatt-PEM-Elektrolyseanlage bei European Energy in Dänemark in Betrieb. Diese Meldungen zeigen: Das technische Geschäft läuft weiter, Kunden bestellen. Für mich spricht das gegen die These, Plug Power sei operativ am Ende – gegen die Zweifel an der Finanzierung reicht es aber allein nicht aus.

Bei den institutionellen Anlegern zeichnet sich ein gemischtes Bild ab. Principal Financial Group stockte seine Position Anfang August um 85,9 Prozent auf 104.670 Aktien auf, während Pinnacle Associates seinen Bestand um 2,4 Prozent auf gut zwei Millionen Aktien reduzierte. Jennison Associates stieg mit 144.820 Aktien neu ein. Auf der Insider-Seite verkaufte Direktorin Maureen Helmer im Juni 50.000 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 3,23 Dollar – zu einem Kurs, der heute weit über dem aktuellen Niveau liegt. Das ist kein Alarmsignal, aber auch kein Vertrauensbeweis.

Der 10. August wird zur Nagelprobe

Am 10. August legt Plug Power nach Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor, ein Analystencall ist für 16:30 Uhr Ostküstenzeit angesetzt. Der Konsens rechnet mit einem Verlust von 0,08 Dollar pro Aktie, was einer Verbesserung von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspräche, bei einem erwarteten Umsatz von 167,74 Millionen Dollar. Susquehanna-Analyst Biju Perincheril bekräftigte Anfang Juli sein neutrales Votum, senkte aber das Kursziel von 3,75 auf 2,50 Dollar und begründete dies mit anhaltenden Sorgen um den Kapitalverbrauch. Das war vor knapp einem Monat – seither hat sich an der Cash-Frage aus meiner Sicht wenig geändert.

Mein Fazit: Plug Power tut operativ vieles richtig, verkauft Vermögenswerte, holt Aufträge herein und baut das Geschäftsmodell um. Doch die Kursentwicklung zeigt, dass der Markt der Liquiditätslage misstraut, solange die Zahlen es nicht schwarz auf weiß belegen. Der 10. August dürfte darüber entscheiden, ob „Project Quantum Leap“ als glaubwürdige Wende wahrgenommen wird oder als weiterer Versuch, Zeit zu kaufen.