Am 10. September traten CEO Jose-Luis Crespo und Vice President Investor Relations Roberto Friedlander auf der Renewables & Clean Energy Conference von Jefferies in New York auf, um die strategische Ausrichtung von Plug Power vorzustellen.

Für mich verdeutlichte dieser Auftritt die zentrale Herausforderung des Konzerns: Während das Management nach vorne blickt, verlangt der Kapitalmarkt greifbare Belege für eine dauerhafte operative Trendwende. Die Skepsis der Investoren ist nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre tief verwurzelt.

Disziplin beim Barmittelverbrauch als Basis

Unterm Strich muss man dem Unternehmen zugestehen, dass im zweiten Quartal 2026 wichtige Fortschritte erzielt wurden. Ein Umsatz von rund 178 Millionen US-Dollar und eine Bruttomarge auf Breakeven-Niveau brachten spürbare Entlastung. Dass der Netto-Barmittelverbrauch auf rund 61 Millionen US-Dollar begrenzt werden konnte, spricht für eine verbesserte operative Kontrolle der Kosten.

Diese Entwicklung ist für den Wasserstoffspezialisten überlebenswichtig. Plug Power stand lange dafür in der Kritik, hohe Summen an liquiden Mitteln zu verbrennen, ohne den Nachweis einer tragfähigen Profitabilität zu erbringen. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass das Management den Ernst der Lage erkannt hat und Ausgaben strikter steuert.

Auch beim Wachstum zeigt sich die Führungsetage zuversichtlicher: Die Prognose für das Umsatzwachstum im Gesamtjahr 2026 wurde auf 15 bis 16 Prozent angehoben. Vor gut drei Wochen stützte zudem die Nachricht das Bild, dass die beiden größten Kunden im Bereich Material Handling über die kommenden drei Jahre mehr als 20.000 GenDrive-Einheiten ersetzen wollen – wenngleich die Aktie seither 5,1 Prozent nachgab.

Der Druck auf das Schlussquartal wächst

Entscheidend für Anleger ist nun, ob sich dieses Umsatzwachstum tatsächlich in einer nachhaltigen Verringerung der Verluste niederschlägt. In der Vergangenheit verpufften positive Umsatzeffekte allzu oft durch unerwartet hohe Aufwendungen im laufenden Betrieb.

Medienberichten zufolge rechnen Analysten für das dritte Quartal 2026 im Schnitt mit einem Verlust von 0,07 US-Dollar je Aktie, verglichen mit 0,12 US-Dollar im dritten Quartal 2025. Doch der eigentliche Härtetest folgt zum Jahresende: Für das vierte Quartal 2026 hat das Management ein positives EBITDAS in Aussicht gestellt. An diesem Versprechen muss sich die Unternehmensführung messen lassen.

Sollte dieser Meilenstein verfehlt werden, dürfte das mühsam aufgebaute Vertrauen rasch wieder schwinden. Gelingt dagegen der Sprung in die operative Profitabilität auf dieser bereinigten Basis, hätte Plug Power erstmals seit Jahren ein starkes Argument gegen die Zweifler auf seiner Seite.

Fazit: Bewährungsprobe steht noch aus

Am Markt bleibt die Zurückhaltung dennoch mit Händen zu greifen. Mit einem aktuellen Kurs von 1,80 Euro und einem leichten Tagesplus von 1,8 Prozent notiert das Papier weiterhin 16 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Plug Power zeigt Anzeichen operativer Besserung, doch solange der Turnaround nicht durch harte Quartalszahlen belegt ist, überwiegen für mich die Risiken.