Plug Power hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal einen Ausblick geliefert, der über die reine Bilanz hinausweist: Zwei der größten Kunden im Materialhandling-Geschäft planen, in den kommenden drei Jahren mehr als 20.000 GenDrive-Brennstoffzelleneinheiten zu ersetzen. Diese langfristige Kundenbindung bildet neben der operativen Entwicklung den eigentlichen Kern der jüngsten Unternehmensmeldungen und dürfte für die Einschätzung des Geschäftsmodells wichtiger sein als einzelne Quartalswerte.
Im zweiten Quartal setzte Plug Power im Materialhandling-Bereich 1.666 GenDrive-Einheiten ab, ein Plus von 125 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz lag bei rund 178 Millionen Dollar, die Bruttomarge erreichte nahezu die Gewinnschwelle.
Besonders das Servicegeschäft überzeugte: Hier wuchs der Umsatz um 82 Prozent auf 30 Millionen Dollar, bei einer Marge von 27 Prozent. Das Unternehmen hob zugleich die Wachstumsprognose für den Gesamtumsatz 2026 auf eine Spanne von 15 bis 16 Prozent an.
Positives EBITDAS als nächster Meilenstein
Als nächsten operativen Meilenstein nennt Plug Power das vierte Quartal 2026, in dem erstmals ein positives EBITDAS erreicht werden soll. Der Nettomittelabfluss lag im zweiten Quartal bei rund 61 Millionen Dollar – eine Zahl, die zeigt, wie eng der Zeitplan bis zur schwarzen Null gesteckt ist.
Genau hier setzt die angekündigte Ersatzbeschaffung der 20.000 GenDrive-Einheiten an: Sie verspricht über mehrere Jahre verlässliche, planbare Erlöse aus einem bestehenden Kundenstamm, statt auf Neugeschäft angewiesen zu sein.
Ergänzt wird das Bild durch internationale Projektfortschritte. Anfang Juli erhielt Plug Power einen Auftrag über 50 Megawatt für GenEco-Elektrolyseure im Zuge der finalen Investitionsentscheidung für den Hunter Valley Hydrogen Hub des Kunden Orica in Australien, nach Unternehmensangaben das größte Projekt für erneuerbaren Wasserstoff des Landes.
Parallel meldete das Unternehmen die Investitionsentscheidung für ein 30-Megawatt-Projekt in Barrow Green für Carlton Power in Großbritannien, Teil einer im November 2025 vergebenen 55-Megawatt-Vereinbarung.
Kurs bewegt sich seitwärts, Liquidität bleibt im Fokus
Am Freitag schloss die Aktie bei 1,87 Euro, ein Plus von 3,3 Prozent zum Vortag, ohne dass ein konkreter Auslöser dafür erkennbar wäre. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 1,3 Prozent zu Buche, über 30 Tage ein Plus von 4,2 Prozent. Der Titel notiert damit weiterhin gut 54 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 4,04 Euro, das am 6. Oktober vergangenen Jahres erreicht wurde.
Für Anleger bleibt die Liquiditätslage der entscheidende Faktor. Die Vereinbarungen mit Stream US Data Centers sollen nach Unternehmensangaben kurzfristig mehr als 80 Millionen Dollar einbringen, im Zusammenspiel mit weiteren Transaktionen sogar mehr als 275 Millionen Dollar zum breiteren Liquiditätsziel beitragen.
Ob diese Mittel zusammen mit dem wachsenden Servicegeschäft ausreichen, um die Lücke bis zum angepeilten positiven EBITDAS im vierten Quartal zu schließen, entscheidet sich spätestens mit den Zahlen zum dritten Quartal, das im September endet.
Der breitere Markt für stationäre Brennstoffzellen, in dem Plug Power mit Rechenzentren und Industriekunden aktiv ist, wird laut einer Marktstudie von BCC Research bis 2031 von 5,4 Milliarden auf 13,1 Milliarden Dollar wachsen. Ob Plug Power von diesem strukturellen Wachstum profitiert, hängt jedoch weniger vom Gesamtmarkt ab als davon, ob die angekündigten Großaufträge im Materialhandling tatsächlich in stabile, margenstarke Umsätze münden.
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