Der Anbieter von Mitarbeiter-Benefits startet mit soliden 9 Prozent Umsatzwachstum ins Geschäftsjahr 2026. Am 7. Januar 2025 kletterte die Aktie um 6,19 Prozent auf 13,73 Euro – eine überraschend positive Reaktion angesichts der massiven regulatorischen Herausforderungen in Brasilien.
Zahlen mit Licht und Schatten
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erwirtschaftete Pluxee einen Gesamtumsatz von 308 Millionen Euro. Das operative Geschäft legte organisch um 9,1 Prozent auf 268 Millionen Euro zu, während die Float-Erlöse – Zinsen auf vorübergehend gehaltene Kundengelder – um 8,5 Prozent auf 40 Millionen Euro wuchsen.
Das ausgegebene Geschäftsvolumen sank jedoch leicht von 6,5 auf 6,3 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür: Der erwartete Rückgang bei öffentlichen Sozialprogrammen in Kontinentaleuropa sowie verzögerte Aufträge in Rumänien. Das Kerngeschäft mit Mitarbeiter-Benefits hingegen kletterte von 4,8 auf 5,0 Milliarden Euro.
Lateinamerika trägt das Wachstum
Regional zeigt sich ein gespaltenes Bild. Lateinamerika überzeugt mit 14,3 Prozent organischem Wachstum beim operativen Umsatz auf 112 Millionen Euro. Brasilien allein liefert zweistellige Zuwächse – vorerst. Die Region „Rest of World“ steigerte sich organisch um 12,6 Prozent auf 46 Millionen Euro, wobei die türkische Lira-Abwertung für einen Währungseffekt von minus 12,8 Prozent sorgte.
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Kontinentaleuropa enttäuscht mit lediglich 2,7 Prozent organischem Wachstum auf 110 Millionen Euro. Frankreich, Deutschland und Österreich kämpfen mit schrumpfenden Endnutzer-Portfolios. In Frankreich verzögern sich Vertragsentscheidungen aufgrund der angespannten makroökonomischen und politischen Lage massiv.
Brasilien-Regulierung: Die 50-Prozent-Bombe
Ab Februar 2026 greift in Brasilien ein präsidiales Dekret, das die Spielregeln radikal ändert. Die Händler-Provision wird auf 3,6 Prozent gedeckelt, die Interchange-Gebühr auf maximal 2 Prozent begrenzt. CEO Aurélien Sonet rechnet für die zweite Jahreshälfte 2026 mit einem Umsatzrückgang von 40 Prozent in Brasilien – für 2027 könnten es sogar 50 Prozent werden.
CFO Stéphane Lhopiteau macht dennoch Hoffnung: „Wir streben an, unsere Marge unverändert zu halten.“ Wie soll das funktionieren? Pluxee setzt auf drei Säulen: Erstens die schnelle Einführung wettbewerbsfähiger Open-Loop-Lösungen bis Mitte Mai. Zweitens die Neuverhandlung von Kundenprovisionen. Drittens ein umfassendes Effizienzprogramm mit Strukturanpassungen – ein Euphemismus für Stellenabbau im Merchant-Bereich.
Rechtliche Gegenwehr und KI-Offensive
Parallel bereitet Pluxee rechtliche Schritte vor. Bis Mitte Februar 2025 soll ein Gericht über die Aussetzung einzelner Dekret-Bestimmungen entscheiden. Die Chancen? Ungewiss. CEO Sonet betont: „Wir können nicht darauf warten und müssen operativ bereit sein.“
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Interessant: Pluxee nutzt die Brasilien-Krise für eine konzernweite KI-Offensive zur Prozessoptimierung. Gleichzeitig wurden die Übernahmen von Skipr (Belgien/Frankreich) und ProEves (Indien) abgeschlossen.
Italien als Lichtblick
Ein Erfolg in schwierigen Zeiten: Pluxee gewann vier regionale Lose der italienischen Beschaffungsbehörde Consip und verfünffacht damit das Geschäftsvolumen für öffentliche Aufträge. Künftig werden über 200.000 italienische Staatsbedienstete bedient – parallel zur umfassenden Neuverhandlung von Kundenprovisionen im Land.
Guidance bestätigt – mit großem Aber
Pluxee hält an den Jahreszielen fest: Stabile Umsätze auf vergleichbarer Basis, leichte EBITDA-Margenexpansion und eine Cash-Conversion-Rate von rund 80 Prozent. Diese Prognose basiert jedoch auf dem Worst-Case-Szenario für Brasilien. Sollte das Dekret abgemildert oder verzögert werden, wäre deutlich mehr drin.
Im ersten Quartal kaufte das Unternehmen 1,9 Millionen eigene Aktien für 27 Millionen Euro zurück – im Durchschnitt zu 14 Euro pro Stück. Das entspricht 27 Prozent des für 100 Millionen Euro angekündigten Rückkaufprogramms.
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