POET Technologies Aktie: 47-Prozent-Crash nach Celestial-Stornierung

Weitere US-Kanzlei reicht Klage gegen POET ein. Aktionäre stimmen am 26. Juni über Sitzverlegung in die USA ab.

POET Technologies Aktie
Kurz & knapp:
  • Frische Klage von Bronstein, Gewirtz & Grossman
  • Vorwürfe: Falscher Steuerstatus und Vertraulichkeitsbruch
  • Hauptversammlung am 26. Juni entscheidet über Umzug
  • Kapitalerhöhung bringt 400 Millionen Dollar

Ein frische Sammelklage erhöht den juristischen Druck auf POET Technologies. Der Photonik-Spezialist steuert auf einen entscheidenden Juni zu. Zwei Wochen könnten über die Glaubwürdigkeit des Unternehmens entscheiden.

Die Aktie notiert am Montag bei 11,06 Euro – ein Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Freitagsschluss. Der moderate Erholungsversuch ändert nichts am grundlegenden Bild. Das 52-Wochen-Hoch von 18,84 Euro liegt über 40 Prozent entfernt.

Neue Klagewelle rollt

Am 7. Juni zog eine weitere US-Kanzlei an die Öffentlichkeit. Bronstein, Gewirtz & Grossman kündigte eine Sammelklage gegen POET Technologies und mehrere Führungskräfte an. Der Vorwurf: Verstöße gegen US-Wertpapiergesetze. Betroffen sind Anleger, die zwischen dem 1. und 27. April 2026 Aktien kauften.

Die Klage ist kein Einzelfall. Zuvor hatten bereits Bragar Eagel & Squire sowie The Gross Law Firm ähnliche Verfahren angekündigt.

Was den Anlegern vorgeworfen wird

Die Vorwürfe haben zwei Kernelemente. Erstens: POET soll seinen Steuerstatus falsch dargestellt haben. Das Unternehmen hätte demnach als passive foreign investment company (PFIC) eingestuft werden müssen. Zweitens: Der Vorstand Thomas Mika soll in einem öffentlichen Interview eine Vertraulichkeitsvereinbarung verletzt haben.

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Die Folgen waren verheerend. Der Kunde Celestial AI stornierte daraufhin alle Bestellungen. Die Aktie brach an einem Tag um 47 Prozent ein – ein Minus von 7,15 Dollar je Anteilsschein.

Rettungsanker Hauptversammlung

Das Management reagierte mit einem Strukturfix. Um die PFIC-Problematik zu lösen, plant POET die Verlagerung des Unternehmenssitzes in die USA. Die Aktionäre stimmen am 26. Juni darüber ab. Wäre der Umzug erfolgreich, entfiele die ungünstige PFIC-Einstufung für US-Investoren.

Ob das laufende Verfahren beeinflusst, bleibt offen. Die Klagen beziehen sich auf vergangene Kommunikation – nicht auf künftige Unternehmensstrukturen.

Drei Tage nach der Hauptversammlung endet die Frist für Hauptkläger in dem Verfahren. Der 29. Juni markiert den nächsten juristischen Meilenstein.

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Expansion trotz Gegenwind

Die juristischen Turbulenzen bremsen die operative Expansion nicht. POET schloss im Mai eine Kapitalerhöhung ab. Der Bruttoerlös: 400 Millionen Dollar. Das Unternehmen emittierte 19 Millionen Aktien samt gleich vieler Warrants.

Die Mittel fließen in die Produktionskapazität, Forschung, Zukäufe und das Lichtquellen-Geschäft. Das Ziel: eine Verzehnfachung der Wafer-Fertigung und Montage optischer Motoren. Für 2026 sind über 30.000 Einheiten geplant. Technische Muster neuer Module sollen noch dieses Jahr kommen. Die Massenproduktion startet 2027.

Der Umsatz stieg im ersten Quartal auf 503.389 Dollar, nach 166.760 Dollar im Vorjahr. Der Nettoverlust lag bei 12,3 Millionen Dollar oder acht Cent je Aktie.

Zwei Wochen Entscheidungsdruck

Am 26. Juni fällt die Vorentscheidung. Stimmen die Aktionäre für den Umzug in die USA? Dann verschwindet das PFIC-Problem. Drei Tage später jagt ein weiterer Termin – der Abgabetermin für Klageführer. Die Ereignisse hängen direkt zusammen.

Der Markt wägt die Wachstumsstory gegen die rechtlichen Risiken ab. Die nächsten Wochen entscheiden, ob POET die Krise eindämmen kann. Die Richtung wird sich im Gerichtssaal oder am Fabrikband entscheiden.

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