POET Technologies erlebt gerade eine fragile Stabilisierung. Nach einem brutalen Absturz im April kratzt die Aktie wieder an ihrem langfristigen Aufwärtstrend. Ob das reicht, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, hängt an einem einzigen Termin: der Produktionsstart in Malaysia im dritten Quartal 2026.
Aktuell notiert die Aktie bei 7,19 Euro, ein Minus von 1,24 Prozent zum Vortag. Der Kurs liegt aber rund 4,83 Prozent über der 200-Tage-Linie bei 6,86 Euro. Diese Marke hatte die Aktie zuletzt zurückerobert — ein technisch positives Signal nach Wochen heftiger Schwankungen.
Der Vergleich zum Jahreshoch zeigt jedoch das ganze Ausmaß der Krise. Am 15. Mai 2026 markierte POET noch 18,84 Euro. Seitdem hat die Aktie über 60 Prozent an Wert verloren.
Woher der Absturz kommt
Der Auslöser: Ende April 2026 kündigte Marvell Technology sämtliche offenen Bestellungen bei POET. Grund war ein mutmaßlicher Vertraulichkeitsbruch. CFO Thomas Mika soll vertrauliche Kundendaten unautorisiert weitergegeben haben.
Die Folge: Die Aktie brach an einem einzigen Tag um 47,3 Prozent ein. Mehrere Kanzleien, darunter Levi & Korsinsky und die Rosen Law Firm, reichten daraufhin Sammelklagen ein. Im Zentrum der Vorwürfe stehen falsch dargestellte steuerliche Einstufungen und der Wertverlust durch den Vertrauensbruch.
Mika zieht sich zurück. Sein Rückzug als CFO wurde am 15. Mai 2026 offiziell verkündet, der Abschied soll noch in diesem Jahr erfolgen. Das Unternehmen befindet sich damit mitten im Führungswechsel, während parallel die juristische Aufarbeitung läuft.
Malaysia soll die Wende bringen
Trotz der Turbulenzen hält POET an seinem Wachstumsplan fest. Ab dem dritten Quartal 2026 will das Unternehmen mit der Großserienfertigung seiner 800G-Optikmodule beginnen. Partner vor Ort sind Globetronics Manufacturing und NationGate Solution in Penang, zuständig für Montage, Tests und Lichtquellenproduktion.
Das Management plant eine mehr als zehnfache Steigerung der Fertigungskapazität. Bis Ende 2027 sollen monatlich eine Million Einheiten vom Band laufen. Rückenwind liefert der im Mai 2026 geschlossene Liefervertrag mit Lumilens: Eine Erstbestellung über 50 Millionen Dollar bildet den Auftakt, langfristig ist ein Rahmen von bis zu 500 Millionen Dollar über fünf Jahre vereinbart.
Um die geplanten Investitionen von rund 50 Millionen Dollar für die zweite Jahreshälfte zu stemmen, hat POET seine Bilanz gestärkt. Im Mai 2026 schloss das Unternehmen eine Direktplatzierung über 400 Millionen Dollar ab.
Zehn Kunden, ein Risiko
Das Unternehmen führt derzeit zehn aktive Kundenprojekte. Jedes davon soll laut Management ein jährliches Umsatzpotenzial von über 100 Millionen Dollar besitzen. Das ist die Rechnung, mit der POET Investoren von der Zukunft überzeugen will.
Der RSI von 42,5 zeigt: Weder überkauft noch überverkauft, die Aktie sucht ihre Richtung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 102 Prozent macht deutlich, wie nervös der Markt weiterhin reagiert. Ob die Malaysia-Fertigung im dritten Quartal wie geplant anläuft, dürfte darüber entscheiden, ob sich die Stabilisierung über der 200-Tage-Linie fortsetzt.
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