Die Hauptversammlung lief reibungslos. Alle sechs Direktoren wurden mit mindestens 94,35 Prozent der Stimmen wiedergewählt, der Wirtschaftsprüfer mit 97 Prozent bestätigt. Für POET Technologies ist das eine klare Rückendeckung — nur spiegelt der Kurs davon wenig wider.

Breite Zustimmung, stille Reaktion

Die virtuelle Hauptversammlung fand am 26. Juni 2026 statt. Wiedergewählt wurden Suresh Venkatesan, Jean-Louis Malinge, Theresa Lan Ende, Glen Riley, Sohail Khan und Robert Tirva. Davidson & Company LLP bleibt Abschlussprüfer.

Im Anschluss an die Versammlung beschloss der Vorstand Vergütungsmaßnahmen für fünf unabhängige Direktoren. Sie erhalten zusammen 79.450 Restricted Stock Units, die nach einem Jahr vesten. Die Zuteilung erfolgt unter dem 2025 Omnibus Incentive Plan und folgt einer festgelegten Vergütungsformel.

Kurs zwischen Jahreshoch und Erholung

An der deutschen Börse notiert die Aktie bei 8,98 Euro — kaum verändert gegenüber dem Vortag. Das Bild über längere Zeiträume ist gespaltener: Auf Jahressicht hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von rund 25 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 18,84 Euro, erreicht am 15. Mai 2026, ist die Aktie noch weit entfernt.

Technisch liegt der Kurs deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 6,75 Euro, aber klar unter dem 50-Tage-Schnitt von 10,48 Euro. Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 120 Prozent zeigt: Das Papier bewegt sich in großen Schritten — in beide Richtungen.

Kommerzieller Fortschritt noch zu beweisen

POET Technologies betont, die Produktionsanlaufkurve für das zweite Halbjahr 2026 liege im Plan. Das Unternehmen nennt mehr als zehn aktive Kundenbeziehungen, die zusammen künftige Jahresumsätze von über 100 Millionen Dollar generieren sollen. Dazu zählen der Lumilens-Vertrag, ein Produktionsauftrag für 800G-Optical-Engines sowie ein NRE-Vertrag für External-Light-Source-Anwendungen mit einem neuen Kunden.

All das sind Ankündigungen. Konkrete Umsätze oder Lieferungen hat das Unternehmen noch nicht gemeldet. Genau das ist der Punkt, an dem Investoren den nächsten Bewertungsschritt festmachen werden: ob Aufträge, Lieferungen und Erlöse aus dem Bereich optische Verbindungen für KI-Rechenzentren tatsächlich in den Büchern erscheinen — und wann.