Zwei große Namen kaufen sich bei POET Technologies ein, während die Aktie noch immer unter dem Schatten einer Sammelklage steht. Citadel und Jane Street haben Positionen offengelegt — mitten in einem Kursrutsch, der die Aktie seit Mai fast halbiert hat.
Am Mittwoch legt das Papier um 3,81 Prozent auf 7,90 Euro zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 6,18 Prozent. Der Monatstrend bleibt jedoch deutlich negativ: minus 34,28 Prozent in 30 Tagen.
Institutionelle Käufer mitten im Ausverkauf
Citadel meldete zum 8. Juli eine passive Beteiligung zwischen 5,1 und 5,9 Prozent. Jane Street kommt auf 6,8 Prozent. Beide Einstiege fallen in eine Phase, in der die Aktie 58,07 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 18,84 Euro notiert.
Privatanleger auf der Handelsplattform Moomoo verweisen zusätzlich auf ein Signal aus Malaysia. Die Fertigungspartner Globetronics und Nationgates in Penang stellen aggressiv Personal ein. Für viele Marktteilnehmer deutet das auf eine bevorstehende Hochskalierung der Massenproduktion hin.
Nicht alle Analysten teilen den Optimismus. Eine Untersuchung von Seeking Alpha hält an einem „Strong Sell“ fest und verweist auf den Kursverfall von rund 60 Prozent seit dem Hoch — trotz einer Kapitalerhöhung von etwa 830 Millionen Dollar und einem bestätigten Produktionshochlauf für die zweite Hälfte 2026.
Extreme Schwankungen prägen den Handel
Der Blick auf die US-notierten Aktien zeigt dieselbe Nervosität. Am 14. Juli schloss das Papier bei rund 8,61 Dollar, nachdem es Ende Juni noch über 12 bis 13 Dollar gehandelt wurde. Vom Tageshoch bei 12,09 Dollar am 22. Juni ging es über 10,28 Dollar am 30. Juni bis in die aktuelle Konsolidierungszone im hohen 8-Dollar-Bereich.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 115 Prozent. Das ist ein Wert, den man sonst eher bei spekulativen Biotech-Werten findet als bei einem Photonik-Zulieferer.
Die Klage bleibt der zentrale Risikofaktor
Der jüngste Kursanstieg löscht die rechtlichen Probleme nicht aus. Eine Sammelklage wirft POET vor, den eigenen US-Steuerstatus falsch dargestellt zu haben — konkret die Wahrscheinlichkeit, als „Passive Foreign Investment Company“ eingestuft zu werden. Der betroffene Zeitraum reicht vom 1. bis zum 27. April 2026.
Die Klage geht noch weiter. Ein leitender Manager soll in einem öffentlichen Interview eine Vertraulichkeitsvereinbarung verletzt haben. Die Folge laut den Klageunterlagen: Celestial AI, eine Tochtergesellschaft von Marvell, stornierte daraufhin sämtliche Bestellungen bei POET.
Der Effekt zeigte sich sofort am Aktienmarkt. Am 27. April 2026 brach der Kurs binnen eines Handelstages um schätzungsweise 45 bis 47 Prozent ein.
Produktionsziele bleiben das Argument der Optimisten
Trotz des juristischen Gegenwinds hält das Management an seinen Wachstumszielen fest. Bei der Hauptversammlung am 26. Juni bestätigte POET, dass der Produktionshochlauf für optische Module planmäßig in der zweiten Jahreshälfte 2026 startet. Bis Ende 2027 soll die Kapazität auf bis zu eine Million Einheiten pro Monat steigen.
Finanziell hat sich das Unternehmen bereits breit aufgestellt. In den vergangenen zwölf Monaten sammelte POET rund 830 Millionen Dollar über Eigenkapital ein, weitere bis zu 661 Millionen Dollar könnten über Optionsscheine folgen.
Das Unternehmen nennt außerdem mehr als zehn aktive Kundenprojekte, die zusammen über 100 Millionen Dollar an künftigem Jahresumsatz bringen sollen. Parallel plant POET, die globale Belegschaft um etwa 50 Mitarbeiter zu erweitern. Ein Kursziel unter den Analysten sieht bei moderater Zuversicht deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.
Ausblick
Die Aktie notiert derzeit 14,97 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 6,87 Euro, aber noch 23,77 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,36 Euro. Das Chartbild spiegelt genau das Spannungsfeld wider, in dem sich POET befindet: eine sich erholende Wachstumsgeschichte trifft auf ungelöste Rechtsrisiken.
Zwei Faktoren dürften in den kommenden Wochen den Ausschlag geben. Zum einen der weitere Verlauf der Sammelklage, zum anderen konkrete Fortschritte beim Produktionshochlauf in Malaysia.
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