Zwei leitende Manager von POET Technologies stehen im Zentrum einer Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs. Die Frist für die Benennung eines Lead Plaintiff läuft morgen ab — die Aktie handelt unter massivem rechtlichem Druck.
Am 28. Mai 2026 wurde bekannt, dass Suresh Venkatesan, Chief Executive Officer, und Thomas Mika, Executive Vice President und Chief Financial Officer, als individuelle Beklagte in einer Securities Class Action genannt werden. Die Klage umfasst Käufe zwischen dem 1. April und dem 27. April 2026. Die persönliche Haftung der beiden Top-Manager markiert eine deutliche Eskalation in einem Rechtsstreit, der den Photonik-Halbleiterhersteller seit Wochen belastet.
Vorwürfe: Falsche Steuerklassifizierung und Vertraulichkeitsbruch
Die Klageschrift wirft den Beklagten vor, wesentlich falsche und irreführende Aussagen zur Steuerklassifizierung des Unternehmens als Passive Foreign Investment Company und zum Bruch einer Vertraulichkeitsvereinbarung mit Marvell Semiconductor Inc. gemacht zu haben. Beide Manager werden nach Section 10(b) und Section 20(a) des Securities Exchange Act von 1934 belangt.
Venkatesan und Mika unterzeichneten SOX-Zertifizierungen, die dem Jahresbericht 2025 auf Form 20-F beigefügt waren. Der Bericht wurde am 31. März 2026 eingereicht. Die Klage behauptet, diese Zertifizierungen seien wesentlich falsch gewesen — angesichts dessen, was die Beklagten über den PFIC-Status und die Gefährdung der Vertraulichkeitsverpflichtungen gewusst haben sollen.
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Der Jahresbericht selbst enthielt einen Risikohinweis, wonach das Unternehmen „möglicherweise als PFIC für das vorangegangene Steuerjahr behandelt wird“. Am 14. April 2026 veröffentlichte Wolfpack Research einen Bericht, der POET vorwarf, US-Investoren durch Kapitalerhöhungen ohne nennenswerte operative Umsätze auf Kollisionskurs mit dem IRS zu bringen. Die Analyse kam zu dem Schluss, dass POET die Kriterien einer PFIC erfülle.
Zwei Korrekturen, zwei Abstürze
Die Aktie brach am 14. April um 8,08 Prozent ein. Der zweite Schlag folgte am 27. April: POET stürzte um 47,3 Prozent ab, nachdem das Unternehmen bekannt gab, dass Marvell Semiconductor sämtliche Bestellungen von Celestial AI — inzwischen von Marvell übernommen — wegen angeblicher Vertraulichkeitsverletzungen durch das POET-Management storniert hatte. Der Kurs verlor an einem Tag 7,15 Dollar.
Die Klageschrift legt dar, dass POET seit 2020 lediglich 2,3 Millionen Dollar Gesamtumsatz erwirtschaftet hat. Gleichzeitig stieg die Anzahl der ausstehenden Aktien zwischen Ende 2022 und Anfang 2026 um 303 Prozent — von rund 38 Millionen auf 153 Millionen Stück.
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Die Margen sind tief negativ. Die Eigenkapitalrendite liegt bei minus 95 Prozent, die Gesamtkapitalrendite bei minus 49 Prozent. Der operative Cashflow betrug im jüngsten Quartal rund minus 8,8 Millionen Dollar, der Free Cashflow etwa minus 11,2 Millionen Dollar. Die Liquidität wird durch Kapitalerhöhungen gestützt.
Aktie gibt nach Mai-Rally deutlich nach
Auf dem Tageschart kletterte POET vom 1. Mai 2026 bei 6,97 Dollar bis zum 14. Mai auf über 20 Dollar. Bis zum Handelsschluss am 26. Mai fiel der Kurs auf 13,26 Dollar zurück. Am 28. Mai bewegte sich die Aktie zwischen einem Tageshoch von 13,37 Dollar und einem Tief von 12,78 Dollar.
Mehrere Kanzleien — darunter Levi & Korsinsky, Bronstein Gewirtz & Grossman, Faruqi & Faruqi und Kirby McInerney — haben Investoren kontaktiert, die während der Klassenperiode Aktien erworben haben. Die Frist zur Bewerbung als Lead Plaintiff endet am 29. Juni 2026. POET Technologies hat bislang keine öffentliche Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen die beiden Manager abgegeben.
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