Die Aktie von POET Technologies gerät unter Druck. Am Donnerstag schloss das Papier bei 8,34 Euro — ein Minus von 8,45 Prozent an einem Tag. Auf Monatssicht summiert sich der Verlust auf 37 Prozent. Dabei steckt das Unternehmen mitten in der vielleicht wichtigsten Phase seiner Unternehmensgeschichte.

Der Kursabschlag ist kein Abstiegskandidat. Eher eine Zwischenernte.

Die Produktion soll hochfahren

Bei der jüngsten Hauptversammlung bekräftigte das Management: Die Serienfertigung der optischen Engines beginne wie geplant im zweiten Halbjahr 2026. Rund 50 Millionen Dollar sollen in den kommenden Monaten in Anlagen fließen. Das ist der Schritt vom Prototypen zur Volumenfertigung.

Bis Ende 2027 will POET die Kapazität auf eine Million Einheiten pro Monat ausbauen. Zielmarkt: KI-Rechenzentren mit hohem Bedarf an schnellen optischen Netzwerklösungen. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen mit einem Neukunden an einem gemeinsamen Projekt für eine leistungsstarke externe Lichtquelle. Auch hier soll die Skalierung noch in diesem Jahr starten.

Branchenengpass als Chance

Die Photonik-Branche hat ein Problem: Ein globaler Lasermangel belastet die Lieferketten. Große Zulieferer sind laut Analysten für das gesamte Jahr 2026 ausgebucht. Ein Ende des Engpasses? Frühestens 2029.

POET positioniert sich hier als Problemlöser. Die hauseigene Optical-Interposer-Plattform soll helfen, die Versorgung zu sichern. Der laufende Kommerzialisierungsdeal mit Lumilens soll in den nächsten fünf Jahren über 500 Millionen Dollar Umsatz bringen. Der erste Kunde: ein führender Hyperscaler aus der Cloud-Branche.

Hinzu kommt eine strategische Neuausrichtung: Der Vorstand treibt die Verlagerung des Firmensitzes in die USA voran. Das soll die Berichtspflichten vereinfachen und institutionelle Anleger anziehen. Zudem sucht das Unternehmen einen Nachfolger für Finanzvorstand Thomas Mika, der in den Ruhestand geht.

Der entscheidende Test kommt im dritten Quartal

Der Aktienkurs spiegelt eine volatile Phase wider. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 18,84 Euro, das Tief bei 3,40 Euro. Nach den jüngsten Kursverlusten notiert die Aktie knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,38 Euro. Der RSI von 42 signalisiert leichte Abgaben — aber keine panische Übertreibung.

Der Fokus für das dritte Quartal liegt auf der offiziellen Bestätigung der ersten Volumenauslieferungen. Das gilt als der entscheidende Meilenstein des Jahres. Gelingen die Lieferungen, bekommt die Produktions-Rampe ihr Fundament. Andernfalls dürfte die Geduld der Anleger auf eine harte Probe gestellt werden.