POET Technologies hat eine Partnerschaft mit NTT Innovative Devices geschlossen — und steht gleichzeitig vor einer der schwierigsten Phasen seiner Unternehmensgeschichte. Der Hersteller optischer Interposer-Lösungen will mit japanischer Unterstützung in KI-gestützte Mobilfunknetze vordringen. Kein einfaches Unterfangen, wenn parallel eine Sammelklage und ein Aktionärsvotum über die Zukunft des Unternehmens mitentscheiden.

Optische Engines für das KI-Mobilfunknetz

NTT Innovative Devices ist eine Tochter des japanischen Telekommunikationsriesen NTT. Die Zusammenarbeit zielt auf Hochgeschwindigkeits-Optikmodule für sogenannte Front-Haul-Netze ab — also die Verbindung zwischen Mobilfunkantennen und dem Kernnetz. KI-gestützte 5G- und 6G-Infrastruktur braucht dafür enorme Datenraten.

POET bringt seine Wafer-basierte Montagetechnik ein. Das Unternehmen nutzt eine Art Baukastenprinzip für die Ausrichtung optischer Komponenten im Submikrometerbereich. Das senkt die Fertigungskosten für 800G- und 1,6T-Optikmodule erheblich. Marktbeobachter sehen POET an einem kommerziellen Wendepunkt: weg vom reinen Entwicklungsunternehmen, hin zum Serienhersteller.

Kapitalpolster und Quartalszahlen

Im Mai schloss POET eine Kapitalerhöhung über 400 Millionen US-Dollar ab. Die Pro-forma-Liquidität übersteigt damit 800 Millionen US-Dollar. Das beseitigt Zweifel an der Zahlungsfähigkeit und schafft Spielraum für den Aufbau der Massenproduktion.

Die operativen Zahlen zeigen allerdings, wie früh POET noch ist. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 503.000 US-Dollar — bei einem Nettoverlust von 12,3 Millionen US-Dollar.

Klage, Steuerstreit und Aktionärsvotum

Ende Juni stimmen die Aktionäre über eine Verlegung des Firmensitzes in die USA ab. Der Grund: POETs aktueller Status als sogenannte Passive Foreign Investment Company nach US-Steuerrecht schreckt institutionelle Investoren ab. Eine Umdomizilierung würde dieses Hindernis beseitigen.

Parallel läuft eine Sammelklage mehrerer Anwaltskanzleien. Ausgangspunkt war ein Kurseinbruch von über 47 Prozent an einem einzigen Handelstag im Frühjahr. Auslöser war die Stornierung von Kaufaufträgen durch Celestial AI — ein Kunde, den Marvell Semiconductor anschließend übernahm. Die Kläger werfen POET Kontrollversagen beim Schutz vertraulicher Geschäftsinformationen und eine Fehlerdarstellung des Steuerstatus vor.

Der Kurs notiert aktuell bei 9,88 Euro — rund 48 Prozent unter dem Allzeithoch von 18,84 Euro, das Mitte Mai erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von gut 61 Prozent. Das Ende-Juni-Aktionärsvotum zur Umdomizilierung wird zeigen, ob die Investorenbasis hinter dem Neustart steht.