POET Technologies hat einen turbulenten Monat hinter sich. Die Aktie des Photonik-Spezialisten verlor in den vergangenen 30 Tagen fast 39 Prozent an Wert und schloss am Freitag bei 6,52 Euro. Trotzdem steht am Jahresende noch ein Plus von knapp 14 Prozent zu Buche — ein Hinweis darauf, wie stark sich die Stimmung um das Unternehmen in den vergangenen Monaten gedreht hat.

Institutionelle Beobachter wie Photon Capital äußern sich derzeit öffentlich zu POET. Der Tenor: Das Unternehmen muss jetzt zeigen, dass sich seine Auftragsbestände tatsächlich in Stückzahlen, Umsatz und neue Kunden übersetzen lassen. Genau das ist der Knackpunkt der aktuellen Debatte um die Aktie.

Ambitionierte Produktionspläne

POET stellt Photonische Integrierte Schaltkreise, Lichtquellen und optische Module her — Bauteile, die in den Rechenzentren großer KI-Anbieter für schnelle Datenübertragung sorgen sollen. Ende Juni bestätigte das Management, dass der Produktionshochlauf für die optischen Engines wie geplant in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten soll.

Das Ziel ist ambitioniert. Bis Ende 2027 will POET die Kapazität auf bis zu eine Million Einheiten pro Monat steigern. Das wäre mehr als das Zehnfache der heutigen Produktionsmenge.

Woher das Geld kommt

Solche Sprünge kosten Kapital. In den vergangenen zwölf Monaten hat POET rund 830 Millionen US-Dollar über Aktienemissionen eingesammelt. Über ausstehende Warrants könnten weitere 661 Millionen US-Dollar hinzukommen, sollten Inhaber ihre Optionsrechte ausüben.

Einen ersten Teil davon will das Unternehmen konkret verplanen: 50 Millionen US-Dollar fließen in der zweiten Jahreshälfte 2026 in neue Fertigungsanlagen. Parallel baut POET die Belegschaft aus — rund 50 neue Stellen sollen in den kommenden Monaten entstehen.

Das Management verweist zudem auf mehr als zehn aktive Kundenprojekte. Zusammen sollen sie perspektivisch über 100 Millionen US-Dollar Jahresumsatz einbringen. Ergänzend dazu läuft die Entwicklung des Blazar-Hybridlasers, der als externe Lichtquelle für Hochgeschwindigkeits-Datenverbindungen in KI-Netzwerken dienen soll und ab 2028 in großem Maßstab zum Einsatz kommen könnte.

Skepsis trotz Wachstumsstory

Der Kursverlauf zeigt, wie unsicher der Markt die Umsetzung dieser Pläne noch einschätzt. Mit einem 14-Tage-RSI von 36 und einer annualisierten Volatilität von über 100 Prozent bleibt die Aktie ein Nervenspiel für alle Beteiligten. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 18,84 Euro liegt bei über 65 Prozent — ein Zeichen dafür, wie weit sich die Bewertung von den Höchstständen aus dem Mai entfernt hat.

Die eigentliche Bewährungsprobe liegt aber vor dem Unternehmen, nicht hinter ihm. Ob POET den Produktionshochlauf 2026 wie angekündigt startet und die zehn Kundenprojekte tatsächlich in feste Umsätze verwandelt, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.