Der Stuttgarter Sportwagenbauer zieht die Konsequenzen aus dem einbrechenden Luxusmarkt in Fernost und halbiert sein dortiges Händlernetz nahezu. Gleichzeitig läutet der neue CEO Michael Leiters mit der „Strategy 2035“ eine fundamentale Abkehr von reinen Elektrozielen und bisherigen Volumenvorgaben ein. Der Preis für diesen radikalen Umbau spiegelt sich in einem massiven Gewinneinbruch wider.

Verkaufskrise erzwingt Neuausrichtung

Lange galt die Volksrepublik als verlässlichster Wachstumsmotor für die Zuffenhausener. Nachdem die Auslieferungen dort zuletzt um 26 Prozent auf 42.000 Fahrzeuge einbrachen, reagiert das Management nun rigoros. Bis Ende 2026 schrumpft das chinesische Händlernetz von 150 auf rund 80 Standorte. Verantwortlich für den Rückgang ist ein intensiver Preiskampf im Elektrosegment, getrieben durch technologisch aufholende heimische Hersteller, die europäische Premiummarken zunehmend unterbieten.

Unter der Leitung von Michael Leiters rückt nun die Marge wieder in den Vordergrund. Das Produktportfolio wird spürbar vereinfacht. Geplante Elektro-SUVs in höheren Segmenten sollen als Hybride auf den Markt kommen, während die 718-Baureihe womöglich wieder Verbrennungsmotoren erhält. Zudem prüft das Unternehmen eine Plattformkonsolidierung für die Modelle Panamera und Taycan, um durch mehr Gleichteile die Kosten zu senken.

Gewinneinbruch belastet den Gesamtkonzern

Dieser strategische Neustart hinterlässt tiefe Spuren in der Bilanz. Der operative Gewinn stürzte im abgelaufenen Jahr von 5,64 Milliarden auf lediglich 413 Millionen Euro ab. Maßgeblich verursacht wurde dieser Rückgang durch Sonderbelastungen in Höhe von 3,9 Milliarden Euro, die vor allem für Restrukturierungen, Anpassungen der Produktstrategie und US-Zölle anfielen. Die operative Marge kollabierte von 14,5 auf 0,3 Prozent, womit dem Volkswagen-Konzern sein wichtigster Gewinnbringer vorerst wegbricht.

Aktionäre spüren diese Entwicklung direkt bei der Gewinnausschüttung: Der Vorstand kürzt die Dividende um 56 Prozent auf 1,01 Euro je Vorzugsaktie. An der Börse zeigt sich die anhaltende Skepsis der Investoren in einem Kursverlust von über 21 Prozent seit Jahresbeginn. Mit einem aktuellen Kurs von 37,24 Euro notiert das Papier nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief.

Blick auf das erste Quartal

Für das laufende Jahr rechnet Finanzvorstand Jochen Breckner mit weiteren Einmaleffekten im hohen dreistelligen Millionenbereich. Die operative Umsatzrendite soll sich 2026 in einem Korridor zwischen 5,5 und 7,5 Prozent bewegen, bei einem erwarteten Umsatz von 35 bis 36 Milliarden Euro. Ob die verschlankte Struktur in China und die neu kalibrierte Antriebsstrategie erste messbare Erfolge bringen, wird der Kapitalmarkt am 29. April bewerten. An diesem Stichtag legt das Unternehmen die Ergebnisse für das erste Quartal vor.