Qualcomm hat mit der Vorlage seiner jüngsten Quartalszahlen und einem vorsichtigen Ausblick den Markt verunsichert. Während der Chiphersteller im dritten Geschäftsquartal einen Umsatzrückgang von 4 Prozent auf 9,95 Milliarden US-Dollar verzeichnete, sorgt vor allem die beschleunigte Abkehr eines Großkunden für Skepsis. Das Management warnte, dass der Rückgang der Modem-Einnahmen von Apple schneller voranschreitet, als das zuvor erwartete Niveau vermuten ließ.

Die Aktie notiert aktuell bei 139,28 Euro und konnte am heutigen Donnerstag zwar um 1,66 Prozent zulegen, liegt jedoch weiterhin deutlich unter den Höchstständen des Frühjahrs. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus im Kurs auf 5,84 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt derzeit 37,51 Prozent.

Schwache Prognose und steigende Produktionskosten

Für das vierte Geschäftsquartal gab Qualcomm eine Prognose ab, die hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieb. Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatz zwischen 9,7 und 10,5 Milliarden US-Dollar. Der erwartete Gewinn je Aktie soll zwischen 2,05 und 2,25 US-Dollar liegen – der Marktkonsens hatte hier zuvor einen Wert von 2,36 US-Dollar anvisiert.

Zusätzlich belastet eine angespannte Kostensituation die kurzfristigen Aussichten. Medienberichten zufolge warnte das Management am 30. Juli vor steigenden Ausgaben für Speicherchips, Wafer und Verpackungsmaterialien, was die Margen unter Druck setzt. Um diesen Trends entgegenzuwirken, hat Qualcomm bereits Maßnahmen ergriffen: Kunden wurden darüber informiert, dass für alle Produkte, die nach dem 1. September 2026 ausgeliefert werden, Preiserhöhungen im zweistelligen Prozentbereich fällig werden.

Diversifizierung als Lichtblick im Automobilsektor

Trotz der Herausforderungen im Smartphone-Segment zeigt die Strategie der Diversifizierung erste Erfolge. Die Automotive-Sparte erzielte im dritten Quartal einen Rekordumsatz von 1,6 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. CEO Cristiano Amon betonte das langfristige Potenzial und setzte ein neues Ziel: Bis zum Geschäftsjahr 2029 sollen die Umsätze außerhalb des Kerngeschäfts mit Mobiltelefonen auf 40 Milliarden US-Dollar steigen – eine nahezu verdoppelte Zielsetzung gegenüber den Plänen von Ende 2024.

Unterstützt wird dieser Kurs durch den Ausbau der Zusammenarbeit mit Samsung Electronics. Die Kooperation sieht vor, Snapdragon-Plattformen verstärkt in Galaxy-Smartphones, Tablets, PCs und intelligenten Brillen einzusetzen. Zudem bereitet sich das Unternehmen auf eine Kapitalmaßnahme vor: Einem SEC-Filing zufolge wurde ein Prospekt für den potenziellen Wiederverkauf von rund 17,8 Millionen Aktien eingereicht, die im Zuge der Übernahme von Modular Inc. an frühere Anteilseigner ausgegeben wurden.

Analysten reagieren auf beschleunigten Apple-Abschied

Die Reaktion der Analysehäuser auf die jüngsten Entwicklungen fiel gemischt aus. Am 30. Juli senkte Wells Fargo das Kursziel für Qualcomm drastisch von 265 auf 170 US-Dollar und behielt die Einstufung „Equal Weight“ bei. Als Begründung nannten die Analysten den schneller als erwartet eintretenden Verlust des Apple-Geschäfts sowie den anhaltenden Margendruck.

Im Kontrast dazu bleibt Benchmark optimistischer. Analyst Cody Acree bekräftigte am 29. Juli seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 300 US-Dollar. Er sieht Qualcomm an einem signifikanten Wendepunkt, getrieben durch das Wachstum im Bereich Rechenzentren und KI-Infrastruktur.

Inmitten dieser operativen Umbrüche kam es auch zu Verkäufen aus der Führungsetage. Laut Pflichtmitteilungen an die SEC veräußerte CEO Cristiano Amon bereits am 23. Juli 10.000 Aktien im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans. Am Montag verkaufte zudem Executive Vice President Heather S. Ace 3.200 Anteile zu einem Durchschnittspreis von rund 147,04 US-Dollar. Für Anleger, die auf Kontinuität setzen, bleibt die Dividendenplanung bestehen: Für den 24. September ist die Auszahlung einer Quartalsdividende von 0,92 US-Dollar je Aktie geplant.