QuantumScape galt lange als reiner Batterie-Spezialist für Elektroautos. Jetzt nimmt das Management eine neue Zielgruppe ins Visier. KI-Rechenzentren sollen künftig für Wachstum sorgen. Investoren werten diesen strategischen Schwenk kritisch. Sie fürchten eine Ablenkung vom noch unfertigen Kerngeschäft.

Hoher Strombedarf als Chance

Der enorme Energiehunger künstlicher Intelligenz zwingt Rechenzentren zum Umdenken. Betreiber setzen zunehmend auf 800-Volt-Gleichstromarchitekturen. Laut CEO Siva Sivaram passt die Feststoffbatterie-Technologie von QuantumScape perfekt zu diesem Trend. Die Anforderungen decken sich mit denen moderner Elektroautos. Extreme Energiedichte und thermische Stabilität stehen im Vordergrund.

Parallel dazu baut das Unternehmen Kontakte in die Rüstungsindustrie auf. Mark Maybury, ehemaliger Chefwissenschaftler der US-Luftwaffe, verstärkt neuerdings den strategischen Beirat. Ross Niebergall zog in den Verwaltungsrat ein und bringt jahrzehntelange Erfahrung aus Rüstungsprogrammen mit. Ein Rahmenvertrag mit Murata Manufacturing soll die Produktion von Keramikseparatoren skalieren.

Produktion bleibt das Nadelöhr

Die neue Erzählung steht und fällt mit der Fertigung. Die automatisierte Pilotanlage „Eagle Line“ produziert erste Mengen an QSE-5-Zellen. Das Unternehmen verschickt diese direkt an Kunden für Praxistests. Ein Prozess-Upgrade namens „Cobra“ soll die Ausbeute in den kommenden Quartalen drastisch erhöhen.

Bislang erzielt QuantumScape jedoch keine Einnahmen aus dem operativen Geschäft. Ein finanzielles Polster ist immerhin vorhanden. Das Unternehmen meldet rund 905 Millionen US-Dollar an Barmitteln. Dem gegenüber steht ein operativer Mittelabfluss von knapp 60 Millionen US-Dollar im abgelaufenen Quartal.

Skepsis an der Wall Street

An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit wider. Die Aktie notiert aktuell bei 6,35 Euro. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus auf knapp 33 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,10 Euro ist das Papier weit entfernt. Mit einem RSI-Wert von 15,7 gilt der Titel technisch als stark überverkauft.

Analysten bleiben zurückhaltend. Es gibt derzeit keine Kaufempfehlungen für die Aktie. Sieben Experten raten zum Halten, zwei zum Verkauf.

Im kommenden Quartal rücken die Kundenabrechnungen in den Fokus. Das Management rechnet hier mit einem Anstieg über das Niveau von 2025. Diese Zahlen müssen belegen, ob der KI-Fokus echte Aufträge bringt. Ohne verbindliche Verträge bleibt der Schwenk ein leeres Versprechen.