Starke Quartalszahlen, ein wachsendes Dividendenversprechen und trotzdem Kursdruck. Bei Realty Income klaffen operative Stärke und Marktreaktion derzeit weit auseinander.

Die Aktie schloss die vergangene Woche bei 52,65 Euro — ein Minus von rund drei Prozent über die letzten 30 Tage. Vom 52-Wochen-Hoch bei 57,80 Euro trennen den Kurs fast neun Prozent. Der Hauptgrund liegt weniger im Unternehmen selbst als im Zinsumfeld: Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentiert bei 4,60 Prozent. Das macht risikofreie Alternativen für Einkommensanleger attraktiver — und setzt REITs strukturell unter Druck.

Operatives Geschäft läuft rund

Das erste Quartal 2026 lieferte solide Ergebnisse. Der bereinigte Funds From Operations (AFFO) stieg um 6,6 Prozent auf 1,13 Dollar je Aktie. Das Nettoeinkommen erreichte 311,8 Millionen Dollar.

Das Management erhöhte das Investitionsziel für das Gesamtjahr auf 9,5 Milliarden Dollar. Allein im ersten Quartal flossen 2,8 Milliarden Dollar in neue Akquisitionen. Strategische Partnerschaften stützen dieses Tempo: ein Joint Venture mit GIC über 1,5 Milliarden Dollar sowie eine Vereinbarung mit Apollo über eine Milliarde Dollar.

Das Portfolio bleibt stabil. Die Vermietungsquote liegt bei 98,9 Prozent. Neu abgeschlossene Mietverträge erzielen im Schnitt 3,4 Prozent höhere Mieten als die Vorgängerverträge.

Dividende und Bewertung

Realty Income zahlte zuletzt seine 671. monatliche Dividende in Folge — 0,2705 Dollar je Aktie. Das entspricht einer annualisierten Ausschüttung von 3,246 Dollar und einer Rendite von rund 5,3 Prozent. Die Ausschüttungsquote liegt bei 71,7 Prozent des AFFO. Das lässt Spielraum nach oben.

Die Bewertung wirft ein interessantes Bild. Realty Income handelt derzeit bei etwa dem 14-fachen des Forward-AFFO — unter dem Sektordurchschnitt. Analysten sehen entsprechend Aufholpotenzial:

  • Scotiabank: Kursziel 72,00 Dollar (Outperform)
  • Freedom Broker: Kursziel 69,00 Dollar (Buy)
  • Mizuho: Kursziel 66,00 Dollar (Neutral)

Narrative Bewertungsmodelle taxieren den fairen Wert auf rund 70,93 Dollar — ein möglicher Abschlag von knapp 14 Prozent zum aktuellen Kurs. Allerdings liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 50,9x, deutlich über dem Peer-Durchschnitt von 27,2x. Der Markt preist also weiterhin eine Prämie für die Dividendenkontinuität und die A-Bonität der Bilanz ein.

Was die nächsten Wochen bringen

Im Mai steht die Hauptversammlung an. CEO Sumit Roy hatte zuletzt eine „sehr aktive“ Akquisitionspipeline in Aussicht gestellt — Aktionäre werden konkrete Details erwarten. Ein weiterer Beobachtungspunkt: der Verschuldungsgrad von 5,2x. Bei einem geplanten Investitionsvolumen von 9,5 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr bleibt die Frage, ob dieser Wert stabil bleibt.

Für 2026 bestätigt das Management eine AFFO-Prognose von 4,41 bis 4,44 Dollar je Aktie. Ende Mai folgt der nächste Dividenden-Stichtag, die Auszahlung ist für Mitte Juni geplant.