Red Cat hebt ab, Leonardo landet in Kanada — fünf Rüstungswerte im Auftragsrausch

Red Cat erhält Großauftrag aus Japan, Leonardo liefert Trainer nach Kanada. Rüstungsaktien zwischen Rekordaufträgen und Kurserholung.

Renk Aktie
Kurz & knapp:
  • Japan bestellt 173 Drohnen bei Red Cat
  • Leonardo verkauft sechs M-346-Trainer nach Kanada
  • Renk meldet Rekordauftragseingang von 582 Millionen Euro
  • Kraken Robotics legt Quartalszahlen vor

Japans Armee bestellt 173 Drohnen bei Red Cat, Leonardo platziert Kampfjet-Trainer erstmals in Nordamerika, und Kraken Robotics steht vor einem entscheidenden Quartalsbericht. Zwischen Rekordaufträgen und technischen Erholungssignalen zeigt der Verteidigungssektor ein zweigeteiltes Bild: Hier die Momentum-Gewinner mit prall gefüllten Auftragsbüchern, dort die Substanzwerte, die nach heftigen Korrekturen einen Boden suchen.

Red Cat: Japan-Auftrag und zwei Kaufempfehlungen treiben den Kurs

Red Cat hat diese Woche den lautesten Knall im Sektor erzeugt. Die japanische Beschaffungsbehörde ATLA vergab einen kompetitiven Vertrag über 173 Black-Widow-Drohnen an das Unternehmen — inklusive Bodenkontrollstationen, Training und Ersatzteilen. Besonders bemerkenswert: Der Deal öffnet die Tür zu lizenzierter Fertigung in Japan und tieferer Wartungskooperation vor Ort. Nach einem früheren Auftrag der australischen Armee ist es bereits die zweite Bestellung aus dem indopazifischen Raum.

Fast zeitgleich starteten zwei Wall-Street-Häuser die Coverage. Clear Street vergab ein Buy-Rating mit Kursziel 22 Dollar, H.C. Wainwright zog mit Buy und 20 Dollar nach. Beide betonen die NDAA-konforme Produktlinie und das Potenzial für wiederkehrende NATO-Aufträge. Der Konsens von vier Analysten liegt bei „Strong Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 21,75 Dollar.

Die Umsatzdynamik ist beeindruckend: Im ersten Quartal stiegen die Erlöse auf 15,5 Millionen Dollar — ein Plus von rund 869 % gegenüber dem Vorjahr. Auf Jahressicht peilt das Management Umsätze zwischen 150 und 180 Millionen Dollar an. Die Kehrseite: Der freie Cashflow lag zuletzt bei etwa minus 39 Millionen Dollar. Eine Kapitalerhöhung über rund 225 Millionen Dollar im Mai soll die Wachstumsstrategie finanzieren. Die Aktie notiert bei 9,30 Euro und liegt damit knapp 37 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch — die jüngste Wochenrally von fast 20 % zeigt aber, wie schnell sich die Stimmung drehen kann.

Leonardo: M-346-Deal schafft nordamerikanischen Brückenkopf

Leonardo hat am Montag einen Vertrag abgeschlossen, der strategisch weit über seinen Buchwert hinausreicht. Die kanadische Pilotenausbildungsschule ITPS Canada orderte sechs M-346 T Block 20 Jet-Trainer mit Optionen auf sechs weitere Maschinen. Damit entsteht die erste privat betriebene M-346-Flotte in Nordamerika.

Die Trainer kommen in der neuesten Block-20-Konfiguration: Glas-Cockpit, helmgestütztes Displaysystem und Bordwaffensimulatoren für Gefechtsübungen. Die Auslieferung ist ab 2029 am International Tactical Training Centre in North Bay, Ontario, geplant. Seit dem Auslaufen der kanadischen Hawk-Trainer und dem Ende des NATO-Programms für Kampfpiloten-Aufbauausbildung betreibt ITPS die einzige fortgeschrittene Kampfpilotenschule des Landes — ein natürliches Monopol für Leonardo.

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Die Fundamentaldaten unterstreichen die Breite des Konzerns:

  • Auftragseingang Q1 2026 um 31 % gegenüber Vorjahr gestiegen
  • Auftragsbestand von 46,6 Milliarden Euro
  • Quartalsumsatz bei 4,5 Milliarden Euro, EBITA bei 411 Millionen Euro

Belastend wirkt der im Mai abgeschlossene CEO-Wechsel, der kurzfristig Governance-Unsicherheit erzeugt hat. Die Aktie notiert bei 51,61 Euro — rund 20 % unter ihrem März-Hoch. Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von 70,20 Euro und vergeben mehrheitlich eine Kaufempfehlung.

MTU Aero Engines: Der Drohnen-Antrieb als stille Wette

MTU hat im April mit der Übernahme von AeroDesignWorks einen Fuß in den Drohnenantriebsmarkt gesetzt. Der Kölner Spezialist, 2011 als Spin-off des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gegründet, liefert bereits an Airbus, Boeing und MBDA. Der Umsatz liegt bei rund 10 Millionen Euro — ein Tropfen im Vergleich zu MTUs Quartalsumsatz von 2,2 Milliarden Euro, aber strategisch bedeutsam.

Europa hat ein massives Defizit bei kleinen Strahltriebwerken. Ein erheblicher Teil der aktuellen Produktion fließt bereits in Drohnen- und Raketensysteme für die Ukraine. MTU positioniert sich hier als Kapazitätsaufbauer in einem Markt, der politisch gewollt und industriell unterversorgt ist. Der Verteidigungsanteil am Gesamtumsatz liegt bisher unter 10 % — die Richtung ist klar.

Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 7 %, das bereinigte EBIT stieg 6 % auf 320 Millionen Euro. Die Jahresprognose 2026 wurde bestätigt. Bei den Analysten zeigt sich eine ungewöhnliche Spaltung: UBS stufte die Aktie auf Sell herab mit einem Kursziel von 275 Euro, begründet mit nachlassender Nachfrage bei steigenden Treibstoffpreisen. Deutsche Bank senkte das Ziel auf 428 Euro, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Der Konsens liegt bei 386 Euro — deutlich über dem aktuellen Kurs von 313 Euro.

Renk: Rekordaufträge treffen auf technische Bodenbildung

Renk liefert gerade ein Lehrstück für die Divergenz zwischen operativer Stärke und Kursperformance. Im ersten Quartal erreichte der Auftragseingang mit 582 Millionen Euro einen Rekordwert. Der Umsatz stieg 4 % auf 284 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte 10,4 % zu, die Marge weitete sich auf 15,0 % aus. Treiber waren unter anderem ein internationales Kampfpanzerprogramm im Wert von rund 157 Millionen Euro und zusätzliche Puma-Getriebeaufträge.

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Die Jahresprognose — Umsatz über 1,5 Milliarden Euro — steht. Über 90 % der geplanten Erlöse sind durch den festen Auftragsbestand abgesichert. Die Aufhebung des deutschen Exportembargos nach Israel dürfte das Verteidigungsgeschäft, das bereits 74 % vom Umsatz ausmacht, zusätzlich stärken.

Und trotzdem: Die Aktie notiert bei 52,73 Euro, mehr als 40 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 75 signalisiert zwar eine gewisse Überhitzung nach der jüngsten Wochenrally von knapp 10 %, aber charttechnisch generiert der Kurs erstmals wieder Kaufsignale über mehrere Zeitrahmen hinweg. Berenberg und Warburg Research halten an ihren Kaufempfehlungen fest, Goldman Sachs bleibt bei Hold. Der Analystenkonsens liegt bei 69,60 Euro — rund 29 % über dem aktuellen Niveau. Am 11. Juni steht die Ex-Dividende an, mit 0,58 Euro je Aktie.

Kraken Robotics: Quartalszahlen heute — mit Covelya-Übernahme im Rücken

Kraken Robotics ist heute der einzige Wert in dieser Runde, der Quartalszahlen vorlegt. Die Ergebnisse des ersten Quartals 2026 stehen im Schatten einer transformativen Übernahme: Der Kauf der Covelya Group für 615 Millionen Dollar soll im zweiten Quartal abgeschlossen werden und Kraken zum globalen Marktführer für Marine-Technologie und duale Unterwasserlösungen machen.

Seit Jahresbeginn hat das Unternehmen Produktaufträge über 87 Millionen Dollar vermeldet — für SeaPower-Unterwasserbatterien, das KATFISH-Sonarsystem und Kraken-SAS-Systeme, vorwiegend von Verteidigungskunden. Im Gesamtjahr 2025 lag der Umsatz bei 102,2 Millionen Kanadischen Dollar, ein Plus von 12 %. Für 2026 erwartet das Management Erlöse zwischen 165 und 175 Millionen Dollar bei einem bereinigten EBITDA von 40 bis 50 Millionen Dollar.

Die Aktie hat seit dem Verkaufssignal Anfang März rund 32 % eingebüßt und notiert bei 5,13 Euro. Dreizehn Analysten sehen den fairen Wert im Schnitt bei 10,91 Kanadischen Dollar — was einem Aufwärtspotenzial von knapp 47 % entspricht. Die heutigen Zahlen werden zeigen, ob das Standalone-Geschäft die Bewertungsphantasie der kombinierten Einheit stützt.

Verteidigungssektor zwischen Momentum und Bodensuche

Über alle fünf Werte hinweg kristallisieren sich drei Archetypen heraus:

  • Momentum-Spiel: Red Cat stapelt Aufträge aus verschiedenen Kontinenten, wird von Analysten neu entdeckt und wächst dreistellig — finanziert das Tempo aber mit hohem Cash-Verbrauch
  • Etablierte Expandierer: Leonardo und MTU kombinieren gefüllte Auftragsbücher mit strategischen Erweiterungen in neue Geographien und Produktkategorien
  • Technische Erholungskandidaten: Renk und Kraken Robotics zeigen operative Stärke, die von der Kursperformance noch nicht abgebildet wird

Der Katalysator-Kalender bleibt dicht. Kraken berichtet heute, Renk am 6. August, MTU am 30. Juli. Red Cat plant für das dritte Quartal Demonstrationen des neuen InFlight-AI-Systems zur Bedrohungserkennung. Die strukturellen Treiber — NATO-Ausgabenziele, Verbreitung unbemannter Systeme zu Wasser und in der Luft, Reshoring von Verteidigungsproduktion — wirken über Jahre. Die entscheidende Frage für Anleger bleibt: Wie schnell schlägt sich die Auftragswelle tatsächlich in Umsatz und Ergebnis nieder?

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