Redcare Pharmacy hat im zweiten Quartal 2026 einen finanziellen Meilenstein erreicht und die Profitabilität deutlich gesteigert. Wie das Unternehmen vor rund zwei Wochen im Rahmen seiner Quartalszahlen mitteilte, kletterte die bereinigte EBITDA-Marge auf 3,5 Prozent. Dies stellt den höchsten Wert innerhalb eines Jahrzehnts dar.

Getrieben wurde dieser Sprung vor allem durch operative Hebeleffekte und eine gesteigerte Effizienz in den internen Abläufen. Der Umsatz der Online-Apotheke stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro.

Effizienzsprung treibt operatives Ergebnis

Ein wesentlicher Treiber für das Ergebnis war die Entwicklung des internationalen Geschäftsfelds. Das Segment außerhalb des deutschen Kernmarktes lieferte im zweiten Quartal erstmals ein positives bereinigtes EBITDA ab.

Parallel dazu konnte Redcare Pharmacy seine Reichweite weiter ausbauen: Die Anzahl der aktiven Kunden stieg im Jahresvergleich um neun Prozent auf insgesamt 14,7 Millionen. Besonders im Fokus steht das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten (Rx) in Deutschland. Hier wuchs die Kundenbasis allein im Vergleich zum Vorquartal um vier Prozent.

Trotz der positiven Quartalsbilanz berichtete die Unternehmensführung von einem etwas verhalteneren Start in das dritte Quartal. Der Handel im Juli zeigte ein Wachstum der Gruppe von unter 20 Prozent, während das Nicht-Rx-Geschäft in Deutschland lediglich im einstelligen Prozentbereich zulegte.

Für die zweite Jahreshälfte stellt sich das Management zudem auf geringere Rx-Wachstumsraten ein. Grund hierfür seien hohe Basiseffekte aus dem Jahr 2025, in dem die Einführung von Bonus-Programmen die Zahlen beflügelt hatte.

Regulierung sorgt für rechtliche Sicherheit

Für die langfristige strategische Ausrichtung sind die regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland von zentraler Bedeutung. Medienberichten zufolge wird das Bundesministerium für Gesundheit voraussichtlich noch im laufenden Monat die endgültige Genehmigung für neue Apotheken-Betriebsvorschriften erteilen.

Die Neuregelung sieht vor, dass die pharmazeutischen Betriebspflichten weiterhin bei den Apotheken verbleiben und nicht auf Logistikdienstleister ausgeweitet werden. Dies schafft für Online-Apotheken eine erhöhte Rechtssicherheit in der Abwicklung ihrer Prozesse.

Zusätzliche Kosten entstehen künftig durch die Anforderung einer persönlichen Unterschrift bei der Zustellung von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Das Unternehmen beziffert den finanziellen Meilenaufwand hierfür auf weniger als eine Million Euro pro Jahr. Dieser Betrag sei bereits in der aktuellen Prognose berücksichtigt und werde die Gesamtmarge nicht signifikant belasten.

Investitionsschwerpunkte und Marktentwicklung

An der Börse spiegelt sich die fundamentale Entwicklung bisher nur teilweise wider. Der Aktienkurs schloss gestern bei 61,25 Euro. Damit weist das Papier auf Sicht von 12 Monaten einen Rückgang von 35,15 Prozent auf. Dennoch notiert der Kurs aktuell mit einem Abstand von 7,10 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Tage, was auf eine Stabilisierung im längerfristigen Trend hindeutet.

Für das Gesamtjahr 2026 hat das Management seine Ziele bestätigt. Der Gesamtumsatz soll um 15 bis 17 Prozent steigen, wobei für das Rx-Segment in Deutschland ein Umsatz zwischen 680 und 720 Millionen Euro angestrebt wird – dies entspräche einem Wachstum von 35 bis 43 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge wird zum Jahresende zwischen 2,5 und 3,0 Prozent erwartet.

Die Investitionsstrategie (CapEx) konzentriert sich im verbleibenden Jahr vor allem auf die weitere Automatisierung des Logistikstandorts Sevenum, wofür noch rund 30 Millionen Euro vorgesehen sind, sowie auf den Ausbau der KI-Infrastruktur.

Während für das laufende Jahr noch keine spezifische Prognose für den Cashflow abgegeben wird, plant Redcare Pharmacy ab 2027 die Einführung einer Free-Cashflow-Guidance. Zudem wird die Berichterstattung gestrafft: Umsatz- und Gewinn-Updates sollen künftig in einer gemeinsamen Quartalspublikation zusammengefasst werden.