Starke Zahlen, schwacher Kurs. Redcare Pharmacy meldet die höchste operative Marge seit zehn Jahren – und Anleger verkaufen trotzdem. Am Freitag verlor die Aktie 5,49 Prozent und schloss bei 61,95 Euro. Der Blick der Anleger richtet sich nun auf eine regulatorische Weichenstellung im August.

Starkes Quartal, aber vorsichtiger Ausblick

Im zweiten Quartal steigerte Redcare den Umsatz um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro. Treiber war das deutsche Rezeptgeschäft: Es wuchs um 58 Prozent, angetrieben vom breiteren Einsatz des digitalen Einlöseverfahrens CardLink. Die bereinigte EBITDA-Marge kletterte auf 3,5 Prozent – der höchste Wert seit einem Jahrzehnt, getragen von Effizienzgewinnen im internationalen Geschäft.

Der Ausblick bremste die Euphorie. Das Management rechnet mit einem saisonal schwächeren dritten Quartal. Im Juli lag das Wachstum vermutlich unter der 20-Prozent-Marke, im margenschwächeren Nicht-Rx-Geschäft in Deutschland wohl sogar unter 10 Prozent. Zusammen mit einer breiteren Marktkonsolidierung drückte das die Aktie auf Wochensicht um 7,40 Prozent nach unten.

Reform mit Signalwirkung für den August

Im August erwartet Redcare die finale Freigabe einer deutschen Gesundheitsreform. Das Bundesgesundheitsministerium soll ein Gesetzespaket final absegnen, das die Erhöhung des Apotheken-Fixums vorsieht.

Der erste Schritt ist bereits vollzogen: Seit dem 1. Juli liegt die Vergütung bei 9,00 Euro statt zuvor 8,35 Euro. Zum Jahresbeginn 2027 soll sie auf 9,50 Euro steigen. Für Online-Apotheken wie Redcare schafft das mehr Planungssicherheit. Analysten werten den erfolgreichen Abschluss der Reform als wichtigen Baustein für stabile Margen auf lange Sicht.

Analysten sehen sinkende Verluste, Kursziel bleibt zäh

Nach den jüngsten Zahlen haben Analysten ihre Schätzungen für 2026 angepasst. Der Konsens vom 2. August sieht den Jahresumsatz bei 3,41 Milliarden Euro – ein solider Zuwachs gegenüber den vorangegangenen zwölf Monaten.

Beim Verlust je Aktie zeichnet sich Besserung ab. Analysten erwarten für 2026 einen Rückgang um rund 70 Prozent auf 0,60 Euro Verlust je Aktie, die volle Profitabilität bleibt aber noch außer Reichweite. Das Kursziel im Konsens verharrt bei 86 Euro. Die fundamentale Verbesserung kommt an, doch institutionelle Investoren wägen weiterhin strukturelle Risiken ab – vor allem mit Blick auf den anstehenden Technologiewechsel.

Der Blick auf die Charttechnik

Mit 61,95 Euro notiert die Aktie zwar 8,26 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 57,23 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 103,60 Euro, erreicht Anfang August 2025, klafft aber eine Lücke von 40,20 Prozent.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Wechsel von der CardLink-Technologie, die noch bis Januar 2027 lizenziert ist, zum neuen Standard „Proof of Patient Presence“ (PoPP). Die Einführung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Wie stabil die Nutzerzahlen bei digitalen Rezepten während dieser Umstellung bleiben, dürfte die Kurserholung maßgeblich bestimmen.