Redcare Pharmacy blickt auf ein dynamisches zweites Quartal zurück und schraubt die Erwartungen für das Gesamtjahr nach oben. Trotz eines aktuell leicht schwächeren Kurses von 60,20 Euro im heutigen Handel, was einem Minus von 1,3 Prozent entspricht, untermauern die operativen Zahlen den Wachstumskurs des Online-Apotheken-Betreibers.

Das Unternehmen profitierte im abgelaufenen Vierteljahr signifikant von einer steigenden Nachfrage im deutschen Markt für verschreibungspflichtige Medikamente.

Umsatzsprung und Margenrekord im zweiten Quartal

Im zweiten Quartal 2026 steigerte Redcare Pharmacy den Konzernumsatz um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 853 Millionen Euro. Damit summierte sich der Erlös im gesamten ersten Halbjahr auf 1,7 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 19,4 Prozent entspricht. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten (Rx) in Deutschland, das ein Umsatzplus von 58 Prozent verzeichnete.

Besondere Aufmerksamkeit widmeten Marktteilnehmer der Rentabilitätsentwicklung. Das Unternehmen erreichte eine bereinigte EBITDA-Marge von 3,5 Prozent – ein Zehn-Jahres-Hoch für den Konzern. Parallel dazu konnte die Basis der aktiven Kunden um 9 Prozent auf nunmehr 14,7 Millionen gesteigert werden.

Im internationalen Segment gelang es Redcare Pharmacy zudem am 29. Juli zu berichten, dass in diesem Bereich im zweiten Quartal erstmals ein positives bereinigtes EBITDA erzielt wurde.

Angepasste Jahresziele und regulatorischer Rückenwind

Angesichts der starken Halbjahresbilanz hat das Management die Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben. Der Konzern rechnet nun mit einem Gesamtwachstum beim Umsatz zwischen 15 und 17 Prozent. Zuvor lag der Zielkorridor bei 13 bis 15 Prozent.

Für das deutsche Rx-Geschäft werden Erlöse in einer Spanne von 680 bis 720 Millionen Euro erwartet. Bei der bereinigten EBITDA-Marge peilt das Unternehmen für das Gesamtjahr einen Wert zwischen 2,5 und 3 Prozent an.

Das regulatorische Umfeld in Deutschland sorgt für zusätzliche Planungssicherheit. Am 29. Juli wurde bekannt, dass das Fixhonorar für die Abgabe von Medikamenten (Fixum) zum 1. Juli von 8,35 Euro auf 9,00 Euro angehoben wurde.

Eine weitere Erhöhung auf 9,50 Euro ist bereits für Anfang 2027 vorgesehen. Zudem stärkt die Bestätigung, dass pharmazeutische Betriebspflichten ausschließlich bei den Apotheken verbleiben und nicht auf Logistikdienstleister ausgeweitet werden, die Rechtssicherheit für Online-Modelle.

Gleichwohl dämpfte das Unternehmen die Erwartungen für das laufende dritte Quartal leicht. Den Angaben zufolge verlief das Handelsgeschäft im Juli etwas schwächer, wobei das Wachstum der Gruppe unter der 20-Prozent-Marke lag.

Für die zweite Jahreshälfte rechnet das Management zudem mit einer spürbaren Verlangsamung des Rx-Wachstums, da im Vorjahr die Einführung von Rezept-Boni für eine sehr hohe Vergleichsbasis gesorgt hatte. Die Aktie notiert derzeit mit einem Abstand von 5,6 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Analysten sehen deutliches Kurspotenzial

Experten bewerten die operative Entwicklung und die angehobenen Ziele überwiegend positiv. Die Analysten der Baader Bank bestätigten am 29. Juli ihre Einstufung mit „Buy“ und nannten ein Kursziel von 85 Euro. Damit trauen sie dem Papier eine deutliche Erholung zu, nachdem der Wert deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 95,20 Euro notiert. Auch Warburg Research bekräftigte am selben Tag die Kaufempfehlung für die Aktie.

Zukünftig will Redcare Pharmacy verstärkt in Automatisierung und künstliche Intelligenz investieren. Für die Fertigstellung der Automatisierung am Standort Sevenum sind im zweiten Halbjahr Investitionen in Höhe von 30 Millionen Euro geplant.

Während für das laufende Jahr noch keine Prognose zum Cashflow abgegeben wurde, plant das Unternehmen, ab dem Jahr 2027 eine Orientierung zum freien Cashflow einzuführen. Um die Transparenz zu erhöhen, sollen künftig zudem die Berichte zu Umsatz und Gewinn in einer gemeinsamen Veröffentlichung pro Quartal zusammengefasst werden.