Renk kann derzeit keine Punkte an den Börsen machen. Dabei meldete einen Rekord beim Auftragseingang, bestätigte die Jahresprognose und sorgte auch mit dem Pre-Call zu den Halbjahreszahlen nicht für unangenehme Überraschungen. Trotzdem bleibt die Aktie unter Druck. Am Freitag verlor sie weitere 0,9 % und schloss bei 45,08 Euro. Damit verteidigte der Titel zwar die Marke von 45 Euro, von einer Rückkehr in Richtung 50 Euro kann jedoch weiterhin keine Rede sein. Gerade diese Marke gilt für viele Marktteilnehmer als wichtig, um das Chartbild wieder aufzuhellen.
Der Höchstwert ist erreicht
Auffällig ist dabei, dass die Zurückhaltung der Börse kaum mit dem laufenden Geschäft zusammenhängt. Die Nachfrage nach den Produkten von Renk bleibt hoch und auch der Auftragseingang entwickelt sich weiter erfreulich. Stattdessen richten sich die Blicke zunehmend auf politische Rahmenbedingungen und deren mögliche Folgen für die kommenden Jahre. Diskussionen über Verteidigungshaushalte und verschobene Lieferungen sorgen derzeit für mehr Aufmerksamkeit als die eigentlichen Unternehmenszahlen.
Gerade diese Zahlen sprechen zunächst eine andere Sprache. Im zweiten Quartal erreichte der Auftragseingang mit rund 620 Millionen Euro einen neuen Höchstwert. Damit rückte Renk seinem Jahresziel von zwei Milliarden Euro einen weiteren Schritt näher. Gleichzeitig bestätigte das Unternehmen seine Prognose und sieht sich damit weiterhin auf Kurs. Viele Investoren hatten genau auf diese Signale gewartet, nachdem die Nachfrage nach Rüstungsgütern in Europa seit Monaten hoch bleibt.
Trotzdem sind einzelne Analysten zuletzt vorsichtiger geworden. MWB Research senkte das Kursziel von 50 auf 48 Euro und bestätigte die Einstufung „Halten“. Als Grund nannte das Analysehaus vor allem die verschobenen Lieferungen nach Israel. Dadurch werden Umsätze zwischen 80 und 100 Millionen Euro erst in der zweiten Jahreshälfte verbucht. Zusätzlich flossen vorsichtigere Annahmen für die Zeit ab 2027 ein, nachdem Informationen über das deutsche Beschaffungsbudget bekannt geworden waren.
Bemerkenswert bleibt allerdings, dass diese Einschätzung keineswegs den gesamten Markt widerspiegelt. Im Durchschnitt sehen Analysten den fairen Wert der Aktie weiterhin bei gut 67 Euro. Daraus ergibt sich gegenüber dem aktuellen Kurs ein rechnerisches Potenzial von mehr als 50 %. Die Börse wartet derzeit offenbar auf den Nachweis, dass sich der hohe Auftragseingang auch in steigenden Umsätzen und Gewinnen niederschlägt. Erst dann dürfte sich zeigen, ob der Abstand zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens und der Bewertung an der Börse kleiner wird.
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