Wenig Bewegung gab es für die Renk am Montag. Die Notierungen bleiben bei ca. rund 47 Euro, sie sind weiterhin sehr schwach. Der Aufwärtstrendwechsel ist ca. 3 bis 5 Euro entfernt, formal jedenfalls. Und dennoch: Renk könnte für größere Akteure der europäischen Verteidigungsindustrie interessanter sein, als es der aktuelle Börsenkurs vermuten lässt. JPMorgan hält den Augsburger Konzern für ein mögliches Übernahmeziel und nennt 75 Euro als Kursziel. Dem stehen Kursziele von 73 Euro bei der Deutschen Bank, 63 Euro bei Warburg Research und 60 Euro bei Barclays zur Seite.

Rückblick: Die Aktionäre haben unterschiedlich reagiert

Auch die Aktionärsstruktur liefert Stoff für solche Überlegungen. KNDS reduzierte seinen Stimmrechtsanteil schon im Mai von 15,83 % auf 10,03 %. Als theoretisch passende Interessenten werden neben KNDS auch BAE Systems und Leonardo genannt. Alle drei verfügen über Überschneidungen zu Renks Geschäftsfeldern, etwa bei Militärfahrzeugen und Schwerlastantrieben. Ein konkretes Angebot oder bestätigte Gespräche gibt es allerdings nicht. Die Spekulation speist sich vielmehr aus dem zunehmenden Konsolidierungsdruck in der europäischen Rüstungsbranche und der strategischen Bedeutung von Renks Antriebstechnik.

Unabhängig von solchen Szenarien zeigt das Kern-Geschäft eine solide Entwicklung. Der Umsatz erreichte im ersten Halbjahr 637,2 Millionen Euro und lag damit 2,7 % über dem Vorjahreswert. Das bereinigte EBIT kletterte um mehr als 10 % auf 98,2 Millionen Euro, wodurch sich die bereinigte EBIT-Marge auf 15,4 % verbesserte. Hinzu kommt die geplante Übernahme von David Brown Defence, für deren Vorbereitung Renk bereits eine Refinanzierung von rund 1 Milliarde Euro abgeschlossen hat.

Mit David Brown Defence kommt zugleich eine neue Dimension in die Wachstumsstory. Die britische Gesellschaft bringt Zugang zum Global Combat Ship-Programm der Royal Navy und eine Pipeline von mehr als 700 Millionen Britischen Pfund bis 2030 mit. Für Renk bedeutet das eine stärkere Verankerung im Marinebereich und eine breitere Aufstellung innerhalb des Verteidigungssektors.

Hinzu kommt die bestätigte Jahresplanung von mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz und 255 bis 285 Millionen Euro bereinigtem EBIT. Die Kombination aus wachsendem Defence-Geschäft, internationaler Expansion und möglicher Branchen-Konsolidierung schafft damit mehrere Ansatzpunkte für eine Neubewertung. Analysten sind wie oben beschrieben der Meinung, die Kursziele lägen sehr viel höher.