Für Renk heißt es aktuell weiterhin Geduld zu haben. Die Notierungen sind am Mittwoch um deutliche -0,97 % gefallen und schießen auf die Marke von 50 Euro zu. Noch sind es ca. 50,50 Euro, womit die Aktie im klaren formalen Abwärtstrend verläuft. Die wichtigste Unternehmensnachricht kommt jedoch nicht vom Aktienkurs. Der Antriebsspezialist nutzte die Eurosatory 2026 in Paris, um mehrere neue Technologien vorzustellen und sein Geschäft über das traditionelle Panzersegment hinaus auszubauen.

Renk: Das sind technische Vorteile

Im Mittelpunkt steht das neue Getriebe ESM 280. Mit diesem Produkt erschließt Renk erstmals gezielt den Markt für mittlere und schwere gepanzerte Radfahrzeuge. Das System ist für Leistungen von bis zu 620 Kilowatt ausgelegt. Viele europäische Streitkräfte investieren derzeit verstärkt in genau diese Fahrzeugklasse, da Radplattformen als mobiler und kostengünstiger gelten als klassische Kettenfahrzeuge. Für Renk eröffnet sich damit ein zusätzlicher Markt neben dem bisherigen Kerngeschäft.

Die strategische Bedeutung dieses Schrittes liegt in der Diversifizierung des Produktportfolios. Bisher war das Unternehmen vor allem bei Antriebssystemen für Kampfpanzer und schwere Kettenfahrzeuge stark vertreten. Mit dem Einstieg in das Segment gepanzerter Radfahrzeuge verbreitert Renk seine industrielle Basis und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Beschaffungsprogrammen.

Auch präsentierte das Unternehmen gemeinsam mit dem finnischen Rüstungskonzern Patria ein Konzept für unbemannte Bodenfahrzeuge. Die Kombination aus Patrias TRACKX-Plattform und Renks HSWL-076-Getriebe soll autonome Fahrfunktionen und moderne Drive-by-Wire-Technologien ermöglichen. Damit positioniert sich das Unternehmen in einem Marktsegment, das von vielen Streitkräften derzeit intensiv entwickelt wird.

Hinzu kommt ein Produktionsmeilenstein. Im Juni lief das 4.000ste HSWL-354-Getriebe vom Band. Die Zahl unterstreicht die starke Marktstellung des Konzerns bei militärischen Antriebssystemen und dokumentiert die industrielle Skalierung des Geschäfts.

Auch die Auftragslage bleibt außergewöhnlich stark. Im ersten Quartal erreichte der Auftragseingang 582 Millionen Euro. Der Auftragsbestand lag zuletzt bei 6,9 Milliarden Euro und markiert damit einen Rekordwert. Diese Kennzahl gibt einen konkreten Hinweis auf die Auslastung der kommenden Jahre. Analysten sehen daher ein Kursziel von deutlich über 66 Euro!