Der Kurs bricht ein, die Auftragsbücher sind voll — das ist die widersprüchliche Lage bei RENK. Während Investoren nach der Rally bis auf 90 Euro Gewinne mitnehmen und Hedgefonds wie AQR ihre Short-Positionen ausbauen, liefert das Unternehmen operativ weiterhin starke Ergebnisse. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen Marktreaktion und fundamentaler Entwicklung gerade ist.

Rekordzahlen als Fundament

Der Verteidigungsumsatz kletterte 2025 um 24 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro — damit entfallen 74 Prozent des Gesamtumsatzes auf das Rüstungsgeschäft. Noch beeindruckender: Der Auftragsbestand erreichte zum Jahresende ein Allzeithoch von 6,68 Milliarden Euro, ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Management signalisierte mit einer Dividendenerhöhung um 38 Prozent auf 0,58 Euro Vertrauen in den eigenen Cashflow.

Trotzdem verlor die Aktie allein im vergangenen Monat rund 15 Prozent und notiert mit 51,99 Euro deutlich unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 62,64 Euro. Die Sektorkorrektur trifft Rüstungswerte nach ihrer langen Rallye hart.

Drei Standorte, eine halbe Milliarde

Parallel zum Kursrückgang treibt RENK seinen bislang größten Kapazitätsausbau voran. Bis Ende 2026 soll die jährliche Produktion auf 800 Getriebe steigen — mehr als eine Verdopplung des Vorkriegsniveaus. Insgesamt fließen in den nächsten vier bis fünf Jahren rund 500 Millionen Euro in den Ausbau:

  • Michigan: 150 Mio. Dollar bis 2030, davon 80 Mio. für Forschung und Entwicklung; Kapazitätssteigerung um 10–15 Prozent
  • Polen: Markteintritt an der NATO-Ostflanke mit Fokus auf Wartung, später Fertigung für Ukraine und Baltikum
  • Augsburg: 325 Mio. Euro bis 2028; Produktionsanstieg von 700 auf über 1.800 Getriebeeinheiten jährlich

Die internationale Streuung ist auch eine Reaktion auf regulatorische Risiken. Ein Exportembargo verhinderte im vierten Quartal Lieferungen nach Israel, was zusammen mit anderen Auftragsverschiebungen rund 200 Millionen Euro auf spätere Perioden verschob. Investitionen in den USA und Osteuropa sollen solche Abhängigkeiten künftig reduzieren und 2026 zwischen 80 und 100 Millionen Euro Umsatz absichern.

Ausblick auf Q1

Für 2026 plant RENK einen Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro. Bis 2028 soll der Umsatz auf 2,1 Milliarden Euro wachsen; langfristig strebt das Unternehmen an, bis 2030 rund 90 Prozent der Erlöse aus dem Rüstungssegment zu erzielen. Erste Einblicke in die operative Umsetzung dieser Ziele liefert der Q1-Pre-Close-Call am 22. April 2026 — die vollständigen Quartalsergebnisse folgen am 6. Mai.