Beim Rüstungskonzern Renk läuft es operativ eigentlich richtig rund. Die frisch vorgelegten, vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal zeigen einen echten Rekord bei den Bestellungen: Satte 620 Millionen Euro flossen schätzungsweise in die Auftragsbücher. Damit rückt das ambitionierte Jahresziel von zwei Milliarden Euro in greifbare Nähe. Die Börse reagierte prompt auf die Nachricht und schickte die Aktie am Freitag um über drei % hoch auf 44,10 Euro. Doch die große Party bleibt aus, denn Experten treten spürbar auf die Bremse.

Politische Bremsklötze und verschobene Millionen

Das Analysehaus mwb Research hat das Kursziel für Renk von 50 auf 48 Euro gesenkt und belässt den Titel vorerst auf „Halten“. Der Grund für den Dämpfer liegt vor allem in der Geopolitik, denn der Zulieferer muss wichtige Lieferungen nach Israel verschieben. Rund 80 bis 100 Millionen Euro an Umsatz wandern dadurch vom ersten direkt in das zweite Halbjahr. Zwar wächst die Profitabilität stabil weiter, aber die Verzögerung sorgt für Unruhe. Zusätzlich drücken durchgesickerte Details zum deutschen Beschaffungsbudget für 2027 auf die langfristige Stimmung, was zu minimalen Korrekturen bei den Umsatzprognosen bis zum Jahr 2028 führt.

Der Chart kämpft mit der Realität

Trotz der prall gefüllten Orderbücher spiegelt der Aktienkurs den operativen Erfolg bisher kaum wider. Seit Jahresbeginn steht ein dickes Minus von gut 18 % auf dem Zettel. Das Papier notiert weiterhin hartnäckig unter der charttechnisch wichtigen 50-Tage-Linie und dümpelt gefährlich nah am aktuellen 52-Wochen-Tief. Die Marktstimmung bleibt somit extrem vorsichtig. Erst die kommenden finalen Quartalszahlen werden zweifelsfrei belegen, wie gut Renk die verschobenen Israel-Lieferungen und die damit verbundenen Margenrisiken in der zweiten Jahreshälfte verdauen kann.