Die Renk Group hat am 6. August mit ihren Halbjahreszahlen den höchsten Auftragseingang der Unternehmensgeschichte gemeldet. Trotzdem kommt die Aktie nicht von der Stelle – ein Widerspruch, der sich bei genauerem Blick auf die operative Substanz und das schwierige Marktumfeld erklären lässt.
Der Rüstungs- und Antriebstechnikkonzern verbuchte im ersten Halbjahr 2026 einen Auftragseingang von 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 29,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal kamen 612,8 Millionen Euro herein – ebenfalls ein Rekordwert für ein einzelnes Quartal.
Der Auftragsbestand kletterte auf 7,4 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT stieg um 10,1 Prozent auf 98,2 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich von 14,4 auf 15,4 Prozent. Renk bestätigte die Jahresprognose 2026 mit einem Umsatzziel von mehr als 1,5 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro.
Vehicle Mobility Solutions treibt das Wachstum
Das größte Segment, Vehicle Mobility Solutions, steigerte seinen Umsatz um 7,6 Prozent auf 418,6 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT legte um 20,5 Prozent auf 80,3 Millionen Euro zu, die Marge kletterte um 210 Basispunkte auf 19,2 Prozent.
Mit einem Book-to-Bill-Verhältnis von 2,3x erhielt Renk hier zudem erste Serienaufträge für Antriebssysteme des Patria TRACKX-Programms – ein Hinweis darauf, dass sich die starke Auftragslage künftig auch stärker im Umsatz niederschlagen dürfte.
Die anderen beiden Segmente entwickelten sich schwächer. Marine & Industry verzeichnete einen Auftragsrückgang um 9,9 Prozent auf 164,4 Millionen Euro, wobei das zweite Quartal dank Marineprogrammen bereits zweistellig zulegte. Der Umsatz sank um 6,1 Prozent, das bereinigte EBIT fiel von 18,8 auf 16,3 Millionen Euro.
Noch deutlicher zeigte sich die Schwäche bei Slide Bearings: Der Auftragseingang gab um 3,2 Prozent nach, der Umsatz um 4,4 Prozent. Ein schwaches Industrieumfeld und höhere US-Zölle drückten die Marge von 16,6 auf 12,5 Prozent.
Kurs bleibt trotz operativer Stärke unter Druck
An der Börse zeigt sich davon wenig Aufbruchstimmung. Die Aktie schloss am Freitag bei 42,20 Euro, nahezu unverändert gegenüber dem Vortag, hat aber in den vergangenen 30 Tagen rund 16 Prozent verloren.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 90,20 Euro Anfang Oktober liegt der Kurs sogar 53 Prozent tiefer. Zum jüngsten 52-Wochen-Tief von 40,41 Euro fehlen dagegen nur noch 4,4 Prozent – der Titel notiert damit nahe seinem Jahrestief.
Dass operative Rekordzahlen und Kursverlauf derart auseinanderlaufen, ist bei Renk kein neues Phänomen: Bereits bei der Vorlage der Jahreszahlen 2025 im März, als Umsatz und EBIT deutlich zulegten, war der Kurs am Zahltag um rund 9 Prozent eingebrochen, weil die Guidance knapp unter dem Marktkonsens lag.
Die anhaltende Schwäche bei Industrieaufträgen und die margenbelastenden US-Zölle im Bereich Slide Bearings scheinen Anleger derzeit stärker zu gewichten als das Rekordmomentum im Kerngeschäft mit militärischen Antrieben.
Für Kontinuität an der Unternehmensspitze ist immerhin gesorgt: CEO Alexander Sagel hatte sein Mandat bereits im Mai vorzeitig um fünf Jahre bis Ende März 2032 verlängert – ein Signal, das die Wachstumsstrategie über den aktuellen Kursrückgang hinaus absichern soll.
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