Der Panzergetriebe- und Rüstungszulieferer Renk Group hat am Donnerstag Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt, die den Auftragsbestand auf ein neues Rekordniveau heben. Der Auftragseingang stieg auf rund 1,2 Milliarden Euro, nach 921,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum – ein Plus von 29,7 Prozent. Allein im zweiten Quartal gingen Bestellungen über 612,8 Millionen Euro ein, das höchste Quartalsvolumen in der Unternehmensgeschichte. Die Book-to-Bill-Ratio kletterte von 1,5 auf 1,9. Der Gesamtauftragsbestand erreichte mit 7,4 Milliarden Euro ebenfalls einen neuen Höchststand.
Konzernchef Alexander Sagel kommentierte laut dpa-AFX: „Mit knapp 1,2 Milliarden Euro Auftragseingang haben wir bereits nach sechs Monaten nahezu das Niveau der ersten neun Monate des Vorjahres erreicht.“ Der Umsatz wuchs im ersten Halbjahr moderater um 2,7 Prozent auf 637,2 Millionen Euro, nach 620,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Vorstand bestätigte die Jahresprognose mit einem Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro – laut Reuters peilt das Management dabei die obere Hälfte dieser Spanne an.
Kursreaktion und Analystenstimme
Die Aktie reagierte auf die Zahlen zunächst deutlich: Am Vormittag stieg das Papier laut dpa-AFX um 4,9 Prozent auf 50,87 Euro und zählte damit zu den stärksten MDax-Werten des Tages. JPMorgan-Analyst David Perry bekräftigte am selben Tag die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 75 Euro. Das zweite Quartal habe im Rahmen der Markterwartungen gelegen, schrieb Perry, zumal der Konzern beim operativen Ergebnis nun die obere Hälfte der Zielspanne anpeile.
Im weiteren Handelsverlauf normalisierte sich der Kurs: Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 50,65 Euro, ein Tagesminus von 1,25 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Zugewinn von 16,22 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass sich der Titel seit dem Jahrestief im Juni bereits deutlich erholt hat, auch wenn von den Rekordständen aus dem Herbst 2025 weiterhin ein spürbarer Abstand bleibt.
Sektorvergleich und Schwäche bei Gleitlagern
Im Branchenvergleich kam Renk am Donnerstag vergleichsweise gut weg: Während Rheinmetall-Aktien laut dpa-AFX um 1,7 Prozent nachgaben und Hensoldt-Papiere sogar 2,9 Prozent verloren, schloss Renk mit nur minus 0,1 Prozent. Hintergrund für die Verluste bei Rheinmetall war der Stopp des milliardenschweren F126-Fregattenprojekts durch das Verteidigungsministerium, der den Konkurrenten zu einer Senkung seines Umsatzausblicks zwang – ein Vorgang ohne Bezug zu Renk.
Nicht alle Segmente bei Renk liefen im ersten Halbjahr gleich stark. Im Bereich Slide Bearings, also Gleitlager, sank der Auftragseingang um 3,2 Prozent auf 64,2 Millionen Euro, nach 66,3 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz blieb ebenfalls unter Vorjahresniveau, das bereinigte EBIT fiel von 10,4 auf 7,5 Millionen Euro. Das Unternehmen begründete dies mit einer konjunkturellen Schwäche der industriellen Endmärkte sowie deutlich höheren US-Zöllen.
Übernahme von David Brown Defence und institutionelle Investoren
Parallel zur Halbjahresbilanz bekräftigte Renk die Fortschritte bei der geplanten Übernahme von David Brown Defence. Der Zukauf, den die Tochter RENK GmbH per verbindlichem Vertrag mit Stellex Capital Management bereits im Juli vereinbart hatte, verschafft dem Konzern Zugang zum Global-Combat-Ship-Programm mit bis zu 34 Schiffen für Kanada, Großbritannien, Australien und Norwegen. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen, das Closing wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. Medienberichten zufolge liegt der Transaktionswert zwischen 200 und 250 Millionen US-Dollar.
Auf der Aktionärsseite meldete BlackRock zuletzt mehrfach Schwellenberührungen, ohne die Gesamtbeteiligung wesentlich zu verändern: Sie verharrt bei rund 4,07 Prozent, lediglich die Zusammensetzung zwischen direkt gehaltenen Aktien und Finanzinstrumenten verschob sich zugunsten der Aktienquote. Für Anleger bleibt damit vor allem der operative Kurs entscheidend – mit prallem Auftragsbuch, bestätigter Guidance und einer weiter laufenden M&A-Agenda hat Renk zum Halbjahr die zentralen Stellschrauben für das Gesamtjahr in der eigenen Hand.
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