Renk Group hat am Donnerstag Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 vorgelegt, die den Rüstungszulieferer trotz eines schwächeren ausgewiesenen Gewinns auf Kurs zur Jahresprognose sehen. Der Umsatz erreichte 637,2 Millionen Euro. Parallel meldete das Unternehmen einen Auftragsbestand von 7,4 Milliarden Euro – ein neues Allzeithoch.

Auftragseingang wächst kräftig, Q2 setzt Bestmarke

Der Auftragseingang im ersten Halbjahr summierte sich auf rund 1,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 29,7 Prozent gegenüber den 921,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Getragen wurde der Zuwachs von der anhaltend hohen Nachfrage im Verteidigungsgeschäft. Allein im zweiten Quartal gingen Aufträge über 612,8 Millionen Euro ein – das höchste Volumen, das Renk je in einem einzelnen Quartal verbucht hat. Der Auftragsbestand von 7,4 Milliarden Euro gibt dem Unternehmen für die kommenden Jahre eine planbare Basis, wirft aber zugleich die Frage auf, wie schnell sich dieser Berg in Umsatz und Ertrag übersetzen lässt.

Beim bereinigten EBIT zeigte sich Renk im ersten Halbjahr tatsächlich profitabler: Die Kennzahl stieg um 10,1 Prozent auf 98,2 Millionen Euro. Das ausgewiesene EBIT im zweiten Quartal fiel dagegen deutlich schwächer aus – belastet durch Beratungskosten im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von David Brown Defence. Diese Sondereffekte trennen den bereinigten vom ausgewiesenen Ergebnis und erklären einen Teil der Diskrepanz zwischen operativem Fortschritt und Bilanzbild.

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Renk seine Prognose: Der Umsatz soll die Marke von 1,5 Milliarden Euro übersteigen, das bereinigte EBIT wird weiterhin in einer Spanne von 255 bis 285 Millionen Euro erwartet. Die Bestätigung signalisiert, dass das Management trotz der einmaligen Übernahmekosten keinen Anlass sieht, von den bisherigen Zielen abzurücken.

David Brown Defence soll Marinegeschäft stärken

Im Zentrum der strategischen Agenda steht die Anfang Juli verkündete Übernahme von David Brown Defence, die Renk in einem verbindlichen Vertrag von Stellex Capital Management erwirbt. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. David Brown Defence bringt einen Auftragsbestand und eine Pipeline von mehr als 700 Millionen britischen Pfund für den Zeitraum 2026 bis 2030 mit.

Renk begründet den Zukauf mit einer angestrebten Stärkung der Marktführerschaft im internationalen Marinegetriebemarkt. Der Zugang zu langfristigen Aufträgen in Großbritannien, Kanada und Australien soll das Geschäft geografisch breiter aufstellen. Zusätzlich verspricht sich das Unternehmen nachhaltige Wachstumschancen im Aftermarket-Geschäft – also im Service- und Ersatzteilgeschäft rund um bereits ausgelieferte Systeme, das in der Regel margenstärker ist als das reine Neugeschäft.

Kursverlauf zeigt Erholung, Analystenbild verhalten

An der Börse hat sich die Renk-Aktie zuletzt von ihren Tiefs gelöst. Zum Schluss des Freitagshandels notierte das Papier bei 50,77 Euro, nach einem Tagesminus von 1,01 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich dennoch ein Anstieg von 9,99 Prozent. Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 53,01 Euro liegt der aktuelle Kurs jedoch noch 4,23 Prozent zurück – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Abwärtstrend trotz der jüngsten Erholung noch nicht vollständig überwunden ist.

Skeptischer äußerte sich Anfang Juli MWB Research: Die Analysten stuften Renk von „Buy“ auf „Hold“ zurück und setzten das Kursziel auf 50 Euro. Die Einschätzung datiert vom 9. Juli und liegt damit vor der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen sowie vor der Bekanntgabe des Rekordauftragsbestands – als aktuelles Signal für die derzeitige Nachrichtenlage taugt sie damit nur bedingt.