Die Renk Group hat am Donnerstag ihre Halbjahreszahlen vorgelegt – und liefert damit gleich mehrere Rekordmarken auf einmal. Der Auftragseingang kletterte im ersten Halbjahr 2026 auf 1,195 Milliarden Euro, ein Plus von 29,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal gingen Bestellungen über 612,8 Millionen Euro ein, der höchste Wert für ein einzelnes Quartal in der Unternehmensgeschichte. Der Auftragsbestand wuchs parallel auf 7,4 Milliarden Euro.

Der Umsatz legte im ersten Halbjahr um 2,7 Prozent auf 637,2 Millionen Euro zu, das bereinigte EBIT stieg um 10,1 Prozent auf 98,2 Millionen Euro. Die Marge verbesserte sich um 100 Basispunkte auf 15,4 Prozent. Renk bestätigte seine Jahresprognose für 2026: Der Umsatz soll die Marke von 1,5 Milliarden Euro übersteigen, beim bereinigten EBIT peilt das Unternehmen eine Spanne von 255 bis 285 Millionen Euro an – mit dem erklärten Ziel, die obere Hälfte dieser Spanne zu erreichen.

Vehicle Mobility Solutions treibt das Wachstum

Innerhalb der Divisionen zeigt sich ein klares Bild. Die Sparte Vehicle Mobility Solutions steigerte ihren Auftragseingang um 42,6 Prozent auf 970,4 Millionen Euro, das Book-to-Bill-Verhältnis liegt bei 2,3. Die Division Marine & Industry kam auf einen Auftragseingang von 164,4 Millionen Euro, angetrieben durch ein kräftiges Wachstum im zweiten Quartal aus Fregattenprogrammen. Schwächer entwickelte sich das Segment Slide Bearings: Der Umsatz sank um 4,4 Prozent, die EBIT-Marge fiel von 16,6 auf 12,5 Prozent.

Zukauf öffnet Tür zu Five-Eyes-Marineprogrammen

Neben dem operativen Geschäft treibt Renk seine strategische Expansion voran. Anfang Juli unterzeichnete das Unternehmen einen verbindlichen Vertrag zur Übernahme von David Brown Defence, einem britischen Spezialisten für U-Boot-Getriebe, von Stellex Capital Management. Der Kaufpreis liegt zwischen 200 und 250 Millionen US-Dollar, Details zu den genauen Konditionen wurden nicht offengelegt. Der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

David Brown Defence bringt einen Auftragsbestand samt Pipeline von mehr als 700 Millionen britischen Pfund für den Zeitraum 2026 bis 2030 mit, gebunden an Getriebeprogramme in Großbritannien, Kanada und Australien. Für Renk öffnet der Deal den Zugang zu den sogenannten Five-Eyes-Marineprogrammen und zum lukrativen Aftermarket-Geschäft rund um Wartung und Ersatzteile.

Finanzierung auf neue Beine gestellt

Ende Juli schloss Renk zudem eine Refinanzierung ab, die dem Konzern mehr Spielraum verschafft. Das neue unbesicherte Kreditpaket umfasst 1,05 Milliarden Euro, zusammengesetzt aus einem Konsortialkredit über 450 Millionen Euro, einer revolvierenden Kreditfazilität über 225 Millionen Euro und einer Garantielinie über 375 Millionen Euro. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre mit zwei Verlängerungsoptionen von jeweils einem Jahr. Das Paket ersetzt die bisherige Finanzierung aus der Zeit des Leveraged Buyouts. Die internationale Bankensyndikation war den Angaben zufolge deutlich überzeichnet – ein Signal für die Marktwahrnehmung des Unternehmens. Renk senkt damit seine Finanzierungskosten und gewinnt strategische Flexibilität für weitere Schritte wie den David-Brown-Zukauf.

Auf der Führungsebene sorgte im Mai die Verlängerung des Vertrags von Vorstandschef Alexander Sagel bis März 2032 für zusätzliche Kontinuität. Zur gleichen Zeit meldete BlackRock eine Aufstockung seines Stimmrechtsanteils auf 4,44 Prozent.

Analysten und Kursverlauf

Am Tag der Halbjahreszahlen bestätigte JPMorgan sein Overweight-Rating für die Aktie, ohne das Kursziel zu verändern. Anfang Juli hatte MWB Research seine Einschätzung von Buy auf Hold zurückgenommen und das Kursziel bei 50 Euro belassen – die Anpassung erfolgte im Anschluss an die Ankündigung der David-Brown-Übernahme.

Am Kapitalmarkt zeigt sich die Aktie zuletzt uneinheitlich: Am Freitag schloss das Papier bei 50,77 Euro, ein Rückgang von 1,01 Prozent gegenüber dem Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch bei 90,20 Euro, erreicht im Oktober, trennen die Aktie damit weiterhin knapp 44 Prozent. Die jüngsten operativen Fortschritte haben den Kurs bislang nicht auf sein früheres Niveau zurückgeführt, auch wenn die fundamentale Entwicklung des Unternehmens mit Rekordauftragseingang, Zukauf und neuer Finanzierungsstruktur eine breitere Basis für das weitere Wachstum legt.