Renk will seine Getriebekompetenz auf mittlere und große unbemannte Überwasserschiffe ausweiten und hat dafür bereits einen ersten Auftrag gewonnen. Das geht aus einem heutigen Medienbericht hervor. Für Anleger eröffnet sich damit eine zusätzliche Perspektive im Marinegeschäft. Einen Gegenpol bilden die gedämpften Erwartungen an deutsche Panzerfahrzeugprogramme und das Industriegeschäft.

Erster Auftrag für unbemannte Überwasserschiffe

Nils Oesterlen, Head of Marine bei Renk, erläuterte die Pläne Medienberichten zufolge gegenüber einem Fachmedium. Für das MUSV-Programm eines NATO-Partners habe das Unternehmen bereits einen ersten Auftrag erhalten. Die geplante Ausweitung betrifft damit nicht allein ein mögliches künftiges Anwendungsfeld: Ein konkreter Auftrag bildet bereits den Ausgangspunkt.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Auftrag und weiterem Ausbau. Der erste Auftrag ist nach Oesterlens Angaben gewonnen. Die breitere Erschließung mittlerer und großer unbemannter Überwasserschiffe bleibt dagegen eine Absicht des Unternehmens. Daraus lässt sich eine zusätzliche Geschäftsperspektive ableiten, aber noch keine Aussage über deren künftigen Ergebnisbeitrag.

Die Nachricht setzt damit einen anderen Akzent als die vor gut einer Woche vereinbarte Veräußerung des Gleitlagergeschäfts an Miba. Während Renk dort eine Aktivität abgeben will, zielt die Marineinitiative auf zusätzliche Anwendungen der eigenen Getriebekompetenz. Der Verkauf steht weiterhin unter üblichen behördlichen Genehmigungen.

Landgeschäft liefert längerfristige Aufträge

Auch im Geschäft mit Panzergetrieben gibt es konkrete Aufträge. Am 14. Oktober vereinbarten Renk und KNDS Deutschland eine Auftragserweiterung im Wert von rund 130 Mio. €. Sie umfasst neben den Getrieben auch Getriebesteuerungen und Gangwahlschalter.

Für die Einordnung zählt allerdings nicht nur das Auftragsvolumen. Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt der Auslieferung. Ein langfristiger Auftrag und die kurzfristige Geschäftsentwicklung sind deshalb getrennt zu betrachten.

Die Auslieferungen aus der Erweiterung sind für 2029 bis 2032 vorgesehen. Der Auftrag stützt somit die längerfristige Perspektive, beantwortet aber nicht unmittelbar die Frage nach dem kurzfristigen Hochlauf.

Analysten verweisen auf Umsetzungstempo

Genau dieses Tempo stand bei einer jüngeren Analystenentscheidung im Mittelpunkt. JPMorgan senkte das Kursziel am 21. Oktober von 62 auf 50 Euro und beließ die Einstufung bei „Overweight“.

Analyst David H. Perry begründete den Schritt mit einem langsameren Hochlauf deutscher Panzerfahrzeugprogramme und trüberen Aussichten für Renks Industriegeschäft. Die positive Einstufung ging somit mit vorsichtigeren Erwartungen einher.

Der Marineauftrag ergänzt dieses Bild um eine neue Wachstumsperspektive. Er ist ein konkreter Einstieg in das Geschäft mit unbemannten Überwasserschiffen, jedoch noch kein Beleg dafür, dass dieses Geschäft die von JPMorgan benannten Belastungen ausgleichen kann. Für Anleger stehen damit zusätzliche Absatzmöglichkeiten einem weiterhin anspruchsvollen Umsetzungstempo gegenüber.