Der Verkauf des Gleitlagergeschäfts klingt nach einem klaren Pluspunkt, doch die Aktie reagierte mit Abschlägen. Der Grund liegt im Kleingedruckten: Mit dem Verkauf an den österreichischen Konzern Miba schrumpft auch die Prognose.
Verkauf bringt Fokus, aber weniger Basis
Renk trennt sich von seiner Sparte Slide Bearings am Standort Hannover. Der Kaufpreis liegt laut Unternehmen im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich. Das Geschäft läuft seit Oktober 2025 als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen Renk Bearings GmbH. Das zivile Geschäft der Division Marine & Industry bleibt unberührt, da es produktionsseitig eng mit dem Defense-Bereich verzahnt ist.
Hintergrund ist die Sektorenstrategie: Bis 2030 soll die Verteidigung rund 90 Prozent des Umsatzes ausmachen. Der Verkauf setzt Kapital und Kapazitäten für diese Wachstumsmärkte frei.
Weil die Sparte ab dem vierten Quartal als nicht fortgeführter Bereich ausgewiesen wird, bezieht sich die Jahresprognose nur noch auf die Divisionen Vehicle Mobility Solutions und Marine & Industry. Renk erwartet nun einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT soll zwischen 240 und 255 Millionen Euro liegen.
Zuvor standen mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz im Raum. Beim bereinigten EBIT hatte das Unternehmen den oberen Bereich einer Spanne von 255 bis 285 Millionen Euro angepeilt. Ein Teil der Absenkung ist damit rein bilanziell, weil die abzugebende Einheit aus den Zahlen herausfällt. Börsianer sehen dennoch eine leichte Senkung der operativen Gewinnerwartungen.
Analysten uneins über die Folgen
JPMorgan senkte das Kursziel von 62 auf 50 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Overweight“. Für das laufende Jahr erwartet Analyst David Perry beim bereinigten operativen Ergebnis sogar mehr als bisher. Seine Gewinnschätzungen je Aktie für 2027 bis 2030 kürzte er dennoch. Er verweist auf ein etwas langsameres Hochlaufen der deutschen Panzerfahrzeugprogramme und trübere Aussichten im Industriegeschäft.
Barclays-Analyst Afonso Osorio sieht das anders. Er hält die leicht sinkenden Schätzungen für vernachlässigbar, lobt das klarere Portfolio und erkennt auf dem aktuellen Niveau eine attraktive Einstiegschance.
Aktie weit unter Rekordhoch
Im frühen Xetra-Handel gab das Papier zeitweise bis zu drei Prozent nach und notierte zuletzt bei rund 36,70 Euro. Seit dem Rekordhoch von etwas mehr als 90 Euro im Herbst 2025 hat sich der Kurs mehr als halbiert, zeitweise fiel er bis auf etwa 34 Euro. Die allgemeine Schwäche der Rüstungswerte spielte dabei eine Rolle.
Renk kommt an der Börse auf einen Wert von rund 3,7 Milliarden Euro. Größter Anteilseigner ist mit etwa zehn Prozent der Panzerbauer KNDS. Der Börsengang erfolgte im Februar 2024 zu 15 Euro je Aktie. Ob der Markt die Neuausrichtung honoriert, dürfte sich an den anstehenden Quartalszahlen messen lassen, in denen die Sparte erstmals getrennt ausgewiesen wird.
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