Die Renk Group hat im ersten Halbjahr 2026 operativ zugelegt wie selten zuvor – und dennoch bleibt die Aktie unter Druck. Der Auftragseingang kletterte auf rund 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 29,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal verbuchte der Panzergetriebe- und Antriebstechnikhersteller mit 612,8 Millionen Euro den höchsten Auftragseingang eines Einzelquartals in der Unternehmensgeschichte.
Der Gesamtauftragsbestand wuchs damit auf 7,4 Milliarden Euro, nach 6,7 Milliarden Euro zum Jahresende 2025. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag im ersten Halbjahr bei 1,9, nach 1,5 im Vorjahreszeitraum – Renk erhält also deutlich mehr neue Aufträge, als gleichzeitig abgearbeitet werden. Für Anleger ist das ein Signal langfristig gesicherter Auslastung, auch wenn sich der Effekt erst über Jahre in Umsatz übersetzt.
Profitabilität zieht überproportional an
Auch die Ertragslage verbesserte sich. Das bereinigte EBIT stieg um 10,1 Prozent auf 98,2 Millionen Euro, die bereinigte EBIT-Marge kletterte auf 15,4 Prozent nach 14,4 Prozent im Vorjahr.
Besonders stark entwickelte sich die Division Vehicle Mobility Solutions: Der Umsatz wuchs um 7,6 Prozent auf 418,6 Millionen Euro, das bereinigte EBIT sogar um 20,5 Prozent auf 80,3 Millionen Euro. Die Marge dieser Sparte kletterte auf 19,2 Prozent.
Schwächer zeigte sich dagegen die Division Slide Bearings. Der Auftragseingang sank dort um 3,2 Prozent auf 64,2 Millionen Euro, der Umsatz gab um 4,4 Prozent auf 59,9 Millionen Euro nach. Die bereinigte EBIT-Marge fiel von 16,6 auf 12,5 Prozent. Renk führt den Rückgang auf konjunkturelle Belastungen und deutlich höhere US-Zölle zurück – ein Beleg dafür, dass nicht alle Unternehmensteile gleichermaßen vom Rüstungsboom profitieren.
Für das laufende Jahr bestätigte Renk die Guidance: Der Umsatz soll über 1,5 Milliarden Euro liegen, das bereinigte EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro. Gestützt wird das Wachstum auch durch neue Militäraufträge aus den USA.
Über ein fünfjähriges Rahmenabkommen namens THOR-IV erhielt Renk einen Folgeauftrag der US-Armee für die HMPT-800-Transmission – bereits der vierte Vertrag dieser Serie mit einem Gesamtvolumen von bis zu 691 Millionen US-Dollar, wovon rund 121 Millionen Euro bereits im zweiten Quartal als Auftragseingang erfasst wurden. Zusätzlich erhielt das Unternehmen erste Serienaufträge für Antriebssysteme des Kettenfahrzeugs Patria TRACKX.
Kurs bleibt trotz guter Zahlen unter Druck
Trotz dieser operativen Stärke notiert die Aktie am Montag bei 42,89 Euro und damit 1,4 Prozent tiefer. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,0 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 15 Prozent.
Seit Jahresbeginn hat das Papier 20 Prozent verloren, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch vom 6. Oktober bei 90,20 Euro beträgt der Abstand 52 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 30 signalisiert eine überverkaufte Aktie, die sich mit einem Abstand von 6,2 Prozent dem 52-Wochen-Tief von 40,41 Euro nähert.
Die Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf spiegelt sich auch in den Analystenmeinungen wider: Sieben Experten kamen im August auf ein durchschnittliches Kursziel von 68,43 Euro, deutlich über dem damaligen Kursniveau von 47,01 Euro, bei einem Rating-Trend über sechs Monate von „Kaufen“.
Mit einer Marktkapitalisierung von 4,32 Milliarden Euro bewertet der Markt Renk derzeit deutlich vorsichtiger, als es die operativen Kennzahlen nahelegen würden.
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