Replimune reist mit neuen klinischen Daten zur wichtigsten Onkologie-Konferenz des Jahres. Hinter den Kulissen kämpft das Biotech-Unternehmen allerdings ums Überleben. Nach der zweiten Abfuhr durch die US-Gesundheitsbehörde FDA für den Hauptkandidaten RP1 rückt die finanzielle Reichweite massiv in den Fokus.

Für das ASCO-Treffen in Chicago kündigte das Management sechs Präsentationen an. Der Aktienkurs reagierte daraufhin mit einem Kurssprung von gut elf Prozent. Das ändert wenig an der prekären Gesamtlage.

Kahlschlag nach FDA-Veto

Die US-Zulassungsbehörde verweigerte dem Hautkrebs-Mittel RP1 kürzlich per „Complete Response Letter“ erneut die Freigabe. Die Daten der IGNYTE-Studie reichten der Behörde nicht aus, um die Wirksamkeit zu belegen. Ohne eine beschleunigte Zulassung ist die weitere Entwicklung des Medikaments laut Unternehmensangaben hinfällig.

Die Konsequenzen folgen prompt. Replimune streicht laut einer offiziellen Mitteilung 63 Stellen und fährt die US-Produktion massiv zurück. Zahlreiche Investmentbanken, darunter JPMorgan und Jefferies, reagierten mit drastischen Abstufungen. Sie senkten ihre Kursziele auf eine Spanne von zwei bis vier US-Dollar.

Die Hoffnungen ruhen auf RP2

Mit dem faktischen Aus für RP1 rückt die Bilanz ins Zentrum. Ende 2025 verfügte das Unternehmen inklusive kurzfristiger Anlagen über liquide Mittel von rund 269 Millionen US-Dollar. Dem stand im Schlussquartal ein operativer Mittelabfluss von knapp 66 Millionen US-Dollar gegenüber.

Nach bisherigen Berechnungen reicht dieses Kapital bis ins späte erste Quartal 2027. Die laufende Restrukturierung der US-Aktivitäten dürfte diese Prognose nun verändern. Einnahmen aus Produktverkäufen existieren bei dem forschenden Biotech-Unternehmen bislang nicht.

Die Zukunft hängt nun am Nachfolge-Kandidaten RP2. Das Mittel basiert auf einem modifizierten Herpes-simplex-Virus und wird auf der ASCO-Konferenz in einer mündlichen Präsentation vorgestellt. Investoren suchen in den Phase-1-Daten nach Beweisen, dass die zugrundeliegende Technologieplattform überhaupt kommerziell tragfähig ist.

Am 30. und 31. Mai liefert das Management die entscheidenden Details in Chicago. Fallen die finalen Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten für RP2 schwach aus, verliert Replimune sein letztes klinisches Zugpferd.