73 Milliarden Euro Auftragsbestand — und trotzdem stellen Anleger kritische Fragen. Rheinmetall trifft heute auf einer Londoner Investorenkonferenz auf institutionelle Anleger. Die Botschaft des Managements soll Zweifel ausräumen.

London als Pflichttermin

Finanzvorstand Klaus Neumann und IR-Chef Dirk Winkels stehen auf der „European Leadership Conference“ Rede und Antwort. Hintergrund: Die Q1-Zahlen 2026 hatten gemischte Reaktionen ausgelöst. Besonders der negative freie Cashflow im Auftaktquartal sorgte für Unbehagen. Investoren wollen jetzt wissen, wie das Unternehmen sein Working Capital steuert und die Investitionsplanung konkretisiert.

Das dürfte kein leichtes Gespräch werden. Der Kurs liegt rund 23 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau und notiert weit unter seinen gleitenden Durchschnitten. Heute legt die Aktie um rund 1,7 Prozent auf 1.226 Euro zu — ein kleines Zeichen der Stabilisierung nach dem Tief von 1.118 Euro Mitte Mai.

Backlog in Umsatz verwandeln

Der Rekord-Auftragsbestand von 73 Milliarden Euro ist beeindruckend. Entscheidend ist jetzt die Ausführung. Rheinmetall hat die Produktionskapazitäten ausgebaut, um das Volumen abzuarbeiten.

Hinzu kommt das Segment Naval Systems. Die Marinesparte wurde Anfang 2026 erstmals vollständig konsolidiert. Sie soll das Profil als Systemanbieter für Land, Luft und See schärfen — und zusätzliches Wachstum liefern.

Wachstumsprognosen bleiben ambitioniert

Analysten rechnen für 2026 mit einem Anstieg des operativen Gewinns um bis zu 45 Prozent. Der europäische Rüstungssektor liegt im Schnitt bei rund 19 Prozent — Rheinmetall soll also deutlich besser abschneiden. Für den Konzernumsatz peilt das Management eine Spanne von 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro an.

Die Hauptversammlung hat am 12. Mai bereits einer deutlichen Dividendenerhöhung zugestimmt. Für das Geschäftsjahr 2025 schüttet das Unternehmen 11,50 Euro je Aktie aus.

Am 6. August folgen die Quartalszahlen zum zweiten Quartal. Bis dahin dürften vor allem neue Abrufe aus Rahmenverträgen und Fortschritte bei internationalen Kooperationen den Kurs bewegen.