Rheinmetall muss seine Wachstumspläne für das laufende Jahr zurückschrauben. Nach dem Stopp des Fregattenprojekts F126 durch das Verteidigungsministerium im Juni rechnet der Düsseldorfer Rüstungskonzern nun mit 300 Millionen Euro weniger Umsatz als bisher geplant. Die neue Zielspanne für 2026 liegt bei 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, wie unter anderem RT Deutsch berichtete. Das ursprünglich mit 15 Milliarden Euro veranschlagte Fregattenprogramm war eines der größten Marineprojekte der Bundeswehr.
Starkes Halbjahr trotz Rückschlag
Trotz der gestrichenen Umsatzziele zeigt sich das operative Geschäft robust. Im ersten Halbjahr steigerte Rheinmetall den Umsatz um 39 Prozent auf mehr als fünf Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Die operative Marge erreichte 15 Prozent. Der Auftragsbestand wuchs auf über 80 Milliarden Euro – ein Wert, der die enorme Nachfrage nach Rüstungsgütern in Europa unterstreicht und dem Konzern über Jahre hinweg Planungssicherheit gibt.
Diese Zahlen relativieren den Effekt des Fregatten-Ausfalls, ohne ihn zu verschleiern: Ein Einzelprojekt kann kurzfristig belasten, solange das breitere Auftragsportfolio wächst. Genau darauf setzt Rheinmetall bei der Kompensation.
Boxer-Großauftrag als Kompensation
Als Ersatz für die weggefallenen Fregattenumsätze rückt der geplante Boxer-Großauftrag mit dem Namen Arminius in den Fokus. Berichten zufolge soll der Festauftrag rund 12,4 Milliarden Euro umfassen, inklusive Optionen könnte das Gesamtvolumen mehr als 14 Milliarden Euro erreichen. Ein solcher Auftrag würde den Auftragsbestand des Konzerns weiter aufblähen und die Fregatten-Lücke im Zeitverlauf mehr als ausgleichen – vorausgesetzt, das Geschäft wird tatsächlich abgeschlossen.
Warnung vor Verzögerung bei Kampfdrohne
Parallel zur Prognosekorrektur meldete sich Rheinmetall mit einer Warnung zu einem anderen Zukunftsprojekt zu Wort. Laut Handelsblatt droht die Erstbeschaffung von zwölf Deep-Strike-Drohnen für die Bundeswehr vor 2030 zu scheitern. Rheinmetall entwickelt gemeinsam mit Boeing die Kampfdrohne MQ-28 Ghost Bat, in die Australien bereits drei Milliarden Euro investiert hat. Ohne einen deutschen Beitritt zum australischen Programm werde es vor 2035 keine einsatzfähige Plattform geben, warnte der Konzern. Deutschland hat inzwischen einen offenen Wettbewerb ausgerufen, an dem auch Airbus mit der Kratos XQ-58A, Helsing und General Atomics mit der FQ-42A teilnehmen. Rheinmetall sieht dadurch eine Fähigkeitslücke entstehen, die vorerst nur mit Tomahawk-Marschflugkörpern überbrückt werden könne.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse hat die Nachrichtenlage bislang keine dramatischen Ausschläge ausgelöst. Die Rheinmetall-Aktie schloss am Freitag bei 1.145,40 Euro, ein Minus von 0,40 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 7,71 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass Anleger die operative Stärke des Halbjahres stärker gewichten als den einmaligen Umsatzausfall durch das Fregattenprojekt. Seit Jahresbeginn liegt das Papier allerdings weiterhin deutlich im Minus, mit einem Rückgang von 26,22 Prozent.
Für Anleger zeichnet sich damit ein zweigeteiltes Bild: Ein einzelnes Marineprojekt kostet Rheinmetall kurzfristig Umsatz, während der prall gefüllte Auftragsbestand und der mögliche Boxer-Großauftrag mittelfristig für Wachstum sorgen sollen. Die Verzögerungen bei der Kampfdrohnen-Beschaffung zeigen zugleich, dass nicht jedes Zukunftsprojekt im geplanten Zeitrahmen realisiert wird – ein Risiko, das Investoren im Rüstungssektor derzeit genau beobachten.
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