Volle Bücher, rekordverdächtige Anleihenachfrage — und trotzdem ein Kurs, der seit Jahresbeginn um mehr als 22 Prozent abgerutscht ist. Bei Rheinmetall klaffen operative Stärke und Börsenstimmung derzeit weit auseinander.
Bundeswehr-Auftrag im dreistelligen Millionenbereich
Am heutigen Mittwoch meldet Rheinmetall einen weiteren Festabruf aus dem Rahmenvertrag für Laser-Licht-Module. Die Bundeswehr bestellt eine weitere sechsstellige Stückzahl der Module vom Typ „LLM-VarioRay“, die zwischen 2026 und 2032 geliefert werden sollen. Der Auftragseingang liegt im mehreren hundert Millionen Euro netto und wird im zweiten Quartal 2026 gebucht.
Die Module werden am Handwaffensystem der Infanterie eingesetzt — zur Zielentdeckung, -identifizierung und -markierung. Hergestellt werden sie von Rheinmetall Soldier Electronics in Stockach am Bodensee, mit zahlreichen deutschen Mittelständlern als Zulieferer.
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Anleihe mit 3,9-Milliarden-Nachfrage, Aktie unter Druck
Parallel dazu kehrte Rheinmetall erstmals seit 16 Jahren mit einer 500-Millionen-Euro-Anleihe an den öffentlichen Kapitalmarkt zurück. Das Interesse war außergewöhnlich: Investoren platzierten Orders über 3,9 Milliarden Euro. Die fünfjährige Anleihe wurde bei 55 Basispunkten über Mid-Swaps bepreist — deutlich unter den anfänglich diskutierten 100 Basispunkten. Moody’s soll das Papier voraussichtlich mit „Baa1″ einordnen.
Am Aktienmarkt kommt davon nichts an. Die Aktie notiert aktuell bei rund 1.244 Euro — knapp 38 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.995 Euro. Europäische Rüstungsaktien haben 2026 nach einer mehrjährigen Rally spürbar korrigiert, da Beschaffungsverzögerungen, Haushaltsdruck und gestreckte Bewertungen Investoren vorsichtiger gemacht haben.
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Rekordauftragsbestand, aber negativer Free Cashflow
Operativ liefert Rheinmetall solide Kennzahlen. Der Auftragsbestand inklusive Rahmenverträgen erreichte zum Ende des ersten Quartals 73 Milliarden Euro — nach 56 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Das entspricht etwa dem Fünffachen des für 2026 erwarteten Jahresumsatzes von 14 bis 14,5 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 19 Prozent.
Ein Wermutstropfen bleibt der Free Cashflow. Im ersten Quartal sackte er auf minus 285 Millionen Euro, nach plus 243 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Anleiheinvestoren stehen Schlange — die Aktienstimmung bleibt gedrückt.
CEO Armin Papperger erwartet für das zweite Quartal rund 20 Milliarden Euro an neuen Nominierungen: darunter ein Lynx-Programm in Rumänien, ein Kampfpanzerprogramm in Italien sowie der F126-Fregattenvertrag. Ob diese Pipeline in verbindliche Aufträge und steigenden Free Cashflow mündet, wird das entscheidende Argument für oder gegen eine Neubewertung der Aktie liefern.
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