Nicht neue Großaufträge, sondern der Ausbau der eigenen Produktionskapazitäten könnte sich für Rheinmetall als entscheidender Wachstumstreiber der kommenden Jahre erweisen. Mit der Grundsteinlegung für die neue Pulverfabrik in Aschau am Inn in der vergangenen Woche treibt der Düsseldorfer Rüstungskonzern eines seiner wichtigsten Industrieprojekte voran. Insgesamt fließen 350 Millionen Euro in den Standort, eingebettet in ein konzernweites Investitionsprogramm von 650 Millionen Euro, mit dem Rheinmetall seine Fertigungskapazitäten für Munition deutlich ausbauen will.

Die Börsen sind wohl tatsächlich darüber hinweggegangen. Der Titel kam am Ende auf einen Kurs von 1037,60 Euro und schob sich um (je nach Börsenplatz unterschiedlich) ca. 2 % aufwärts. Das ist ein klarer Abwärtstrend, das Doppeltief bei fast 900 Euro ist allerdings schon lange wieder überwunden. Es kann eine Erholung geben. Die jüngste Nachricht über Aschau zahlt darauf ein.

Rheinmetall: Die Kapazitäten sind bedeutend

Bis 2028 soll die Anlage jährlich mehr als 4.200 Tonnen Treibladungspulver, über fünf Millionen Formteile und mehr als eine Million Treibladungsmodule produzieren. Gegenüber der heutigen Fertigung bedeutet dies einen erheblichen Kapazitätssprung. Gleichzeitig wächst die Zahl der Beschäftigten am Standort von rund 800 auf etwa 1.400. Das Projekt ist Teil der Initiative „Firepower“, mit der Rheinmetall seine Pulverproduktion bis 2030 auf 20.000 Tonnen pro Jahr steigern möchte.

Hintergrund der Investitionen ist die anhaltend hohe Nachfrage nach Munition und Verteidigungstechnik in Europa. Die Wiederaufrüstung zahlreicher NATO-Staaten sorgt ebenso für volle Auftragsbücher wie die fortschreitende Modernisierung der Streitkräfte. Auch andere Unternehmen der Branche berichten von einer robusten Entwicklung. So verzeichnete Thales zuletzt sowohl beim Auftragseingang als auch beim Umsatz zweistellige Zuwächse und unterstreicht damit die weiterhin hohe Investitionsbereitschaft im europäischen Verteidigungssektor.

Neben dem Ausbau der Munitionsproduktion entwickelt der Konzern weitere Zukunftsfelder. Gemeinsam mit Partnern arbeitet Rheinmetall an autonomen militärischen Fahrzeugkonvois, begleitet Schulungen für autonome Logistiksysteme und beteiligt sich an Projekten für teleoperierte Shuttlefahrzeuge im zivilen Bereich. Hinzu kommen neue Aufträge zur Digitalisierung der Bundeswehr sowie die jüngst vermeldete Zusammenarbeit mit Space Norway im Bereich der maritimen Weltraumüberwachung. Damit erweitert das Unternehmen sein Geschäft zunehmend über klassische Rüstungsprodukte hinaus. Schon deshalb sind Analysten unter dem Strich noch immer zuversichtlich. Die Ziele liegen bei annähernd 1.700 Euro.