Der geplatzte F126-Auftrag verändert zwar die strategischen Pläne von Rheinmetall im Marinegeschäft, die langfristigen Gewinnerwartungen der Analysten bleiben bislang jedoch bemerkenswert robust. Für 2026 rechnen sie unverändert mit einem Umsatz von 14,13 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von 1,63 Milliarden Euro. Bereits ein Jahr später sollen die Erlöse auf 18,98 Milliarden Euro steigen und der Gewinn auf 2,43 Milliarden Euro zulegen. Damit setzt der Markt trotz der jüngsten Rückschläge weiterhin auf kräftiges operatives Wachstum.

An der Börse spiegelt sich diese Erwartung bislang allerdings nicht wider. Die Aktie schloss den Freitag bei 946,60 Euro nahezu unverändert mit Minus 0,02 %. Die Aktie ist zweifellos in der vergangenen Woche gecrasht. Am Mittwoch waren es rund 18,6 %.

Rheinmetall: Zu viel!

Der Hintergrund der jüngsten Schwäche ist bekannt. Das Bundesverteidigungsministerium stoppte das bisherige F126-Fregattenprogramm nach erheblichen Kostensteigerungen und entschied sich für einen Wechsel auf kleinere MEKO-Fregatten. Rheinmetall verliert damit einen zentralen Baustein seiner Marineexpansion. Besonders schwer wiegt dies deshalb, weil der Konzern erst vor wenigen Monaten rund 1,5 Milliarden Euro für die Übernahme der Werftengruppe Naval Vessels Lürssen investiert hatte, um seine Position als Generalunternehmer im Marinesektor auszubauen.

Dennoch bleibt die operative Basis breit aufgestellt. Rheinmetall bestätigte zuletzt seine Jahresprognose und arbeitet nach Unternehmensangaben an zusätzlichen Projekten in den Bereichen Luftverteidigung, Artilleriemunition und digitale Aufklärung. Diese Programme sollen den Ausbau des Verteidigungsgeschäfts fortsetzen und die Abhängigkeit von einzelnen Großprojekten verringern.

Auch die Bewertung spiegelt weiterhin hohe Gewinnerwartungen wider. Für 2027 sinkt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 18. Gleichzeitig beläuft sich der Unternehmenswert auf mehr als 47 Milliarden Euro. Die erwartete Eigenkapitalrendite steigt nach Analystenschätzungen von 1,62 % auf 2,35 %. Diese Kennzahlen verdeutlichen, dass der Markt trotz der jüngsten Kursverluste weiterhin mit steigenden Erträgen rechnet.

Der entscheidende Unterschied für die kommenden Monate dürfte deshalb weniger der bereits bekannte Verlust des Marineprojekts sein als die Frage, ob Rheinmetall das erwartete Wachstum in seinen übrigen Verteidigungssparten tatsächlich realisieren kann. Mit den Halbjahreszahlen und möglichen neuen Großaufträgen erhält der Markt hierfür die nächsten belastbaren Anhaltspunkte. Anfang August ist es so weit!