Einen entsetzlichen Absturz hat gestern die Aktie der Düsseldorfer Rheinmetall hinnehmen müssen. Die Notierungen haben am Ende – je nach Börsenplatz – einen Abschlag von etwa 18,6 % produziert. An der Börse München notiert die Aktie inzwischen bei 949,90 Euro. Das ist bemerkenswert.

Rheinmetall: Hier sind die Fragezeichen jetzt besonders groß!

Der Abschlag von 18,62 % führte die Aktie also unter die wichtige Grenze von 1.000 Euro. Damit ist zunächst einmal das charttechnische Bild für Rheinmetall komplett zerstört. Die Aktie könnte jetzt zumindest aus dieser Sicht noch weiter nach unten rauschen.

Allerdings ist vor allem das wirtschaftliche Szenario für die Düsseldorfer bedenklich. Der Kursrutsch kam über die Düsseldorfer, weil ein Milliardenauftrag nicht mehr zustande kommt. Rheinmetall hatte ein großes Marineprojekt vorbereitet, das nun vom Bundesverteidigungsministerium doch nicht in Auftrag gegeben wird.

Es geht um einen Vertrag über sechs F126-Fregatten für die Marine. Das gesamte Paket hätte einen Umsatz von etwa mindestens 10 Mrd. Euro bedeutet, hieß es zunächst. Die Börsen reagierten mit dem erheblichen Abschlag von 18,65 % und begründeten dies damit, dass damit ein wesentliches Geschäftsmodell infrage stünde.

Eine Aussage von MWB Research hat das Ganze etwas quantifiziert. Demnach würde die Streichung der F126-Fregatten dem Unternehmen das Kronjuwel nehmen, das die Übernahme von NVL gerechtfertigt hatte. MWB Research setzt nun den Marineumsatz von 5 Milliarden Euro auf 3 Milliarden Euro zurück. Damit würde unter anderem auch die Realität einer Werft mit Unterauslastung widergespiegelt werden.

Interessant an dieser Aussage ist der Umstand, dass der Marineumsatz damit letztlich aus Sicht dieses Research-Hauses „nur“ um 2 Milliarden Euro zurückgesetzt wird. Die Rücknahme des Aktienkurses um 18,65 % wäre damit nicht vollständig erklärt, denn Rheinmetall selbst hat einen Marktwert von circa 44 Milliarden Euro. Hier wurden deutlich höhere Summen an Marktwert vernichtet.

Mit anderen Worten: Aus wirtschaftlicher Sicht dürfte sich das Ereignis in den kommenden Tagen noch in erheblichen Schwankungen niederschlagen. Viele Analystenstimmen zu dem Vorfall gibt es bislang noch nicht. Insofern steht für Rheinmetall der ohnehin schon länger sichtbare Abwärtstrend in den kommenden Tagen tatsächlich massiv auf dem Prüfstand. Es wäre weder überraschend, wenn der Verfall sich fortsetzt noch wenn sich plötzlich auch ein deutliches Comeback einstellte.